Piksen im Namen der Schönheit

 

Wenn ich den Kopf leicht anhebe, sehe ich die Nadeln zwischen den Zehen sowie in den Unterschenkeln.

Ganz im Gegensatz zu jenen, die zwischen den Augenbrauen und neben der Nase stecken: Genau dort, wo sich im Verlauf der vergangenen Jahren jene unschönen Furchen eingegraben haben, von denen ich mich schon länger trennen möchte. Und mich aus diesem Grunde seit über einem Monat in der Gemeinschaftspraxis Sinomedica mit feinen Nadeln piksen lasse. Zwei Mal pro Woche, während fünf Wochen, genau so, wie es der nette Dr Alexander Meyer empfiehlt, der nun nach dem Setzen der letzten Nadel den Raum verlässt, während ich für die nächste halbe Stunde wie ein menschliches Nadelkissen vor mich hindöse.

 

 

«Ästhetisches Akupunktur» nennt sich diese Anti-Aging-Methode aus den USA, von der ich Dir zu Beginn meines Experiments bereits einmal erzählt habe. Dabei werden zunächst nach den Grundlagen der chinesischen Medizin die wichtigsten Energiepunkte im Körper mit Hilfe von Nadeln an Händen, Füssen und Schenkeln aktiviert. In einem zweiten Schritt geht es so richtig zur Sache – einerseits durch die Platzierung besonders dünnen Spezialnadeln in den verschiedenen Falten und andererseits durch das Auftragen von Hyaluronsäure nach dem Herausziehen der Nadeln.

«Die auf diese Weise entstandenen Mikro-Verletzungen in der untersten Hautschicht stimulieren den körpereigenen Heilungsmechanimsus, was zu einer Neubildung von Kollagen führt. Gleichzeitig gelangt die Hyaluronsäure durch die perforierte Hornschicht bis in die tiefen Hautschichten, wo sie besonders viel Feuchtigkeit speichern und binden kann», erklärte mir der TCM-Experte bei meinem ersten Besuch. «Mittel- und langfristig führt das zu einer Glättung der Haut in den entsprechenden Bereichen des Gesichtes.»

Mit ersten Veränderungen, sagte er damals, dürfe ich bei der ästhetischen Akupunktur frühestens nach fünf Behandlungen rechnen und tatsächlich kam ziemlich genau zu diesem Zeitpunkt die Lupe zum ersten Mal zum Einsatz. Der Grund: «Wenn Sie liegen, ist die Falte kaum noch zu sehen.»

Im Stehen, das nur am Rande, konnte ich die Falte immer noch gut erkennen, auch wenn sie mir um einiges weniger tief schien.

Alles nur Einbildung?

Wohl eher nicht, denn eine Woche später brauchte es zum Stechen der Nadeln nicht nur die Lupe, sondern auch meinen vollen Einsatz: «Runzeln Sie doch bitte mal die Stirne, damit ich den Verlauf der Falten erkennen kann», bat mich der Facharzt für innere und chinesische Medizin, worauf ich – wenn auch nur mit Mühe – mein freudiges Grinsen unterdrückte und stattdessen wie ein nachdenklicher Dackel meine Stirn in Wellen legte, um ihm die Arbeit bei der ästhetischen Akupunktur zu erleichtern.

Mittlerweile gehören für mich diese Faxen genau so zur Routine wie das kurze Schläfchen auf der Liege und das leichte Klopfen an der Tür, mit dem mich Alexander Meyer auch heute weckt. Zum letzten Mal im Rahmen dieser Anti-Aging-Therapie, die einen Zyklus von zehn Behandlungen umfasst und anschliessend alle zwei bis drei Monate wiederholt werden sollte.

Bei einem Preis von 200 Franken pro Sitzung handelt es sich bei dieser Methode – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade um ein Schnäppchen. Langfristig gesehen allerdings relativieren sich die Kosten, da mit der ästhetischen Akupunktur im Gegensatz zu Botox oder Fillern keine temporären, sondern dauerhafte Erfolge erzielt würden, wie auf der Homepage von Sinomedica steht.

Inwiefern das stimmt, kann ich Dir zum heutigen Zeitpunkt logischerweise nicht sagen und auch sonst ist Geduld gefragt, sagt Alexander Meyer: «Der Aufbau von neuem Kollagen in den tieferen Hautschichten braucht seine Zeit. Entsprechend sind die vollständigen Ergebnisse erst nach acht Wochen ab der ersten Behandlung richtig gut sichtbar.»

In diesem Sinne hörst Du bald wieder von mir in dieser Sache.

Mit Vorher-Nachher-Bildern.

Wie es sich gehört.

Und bis dahin darfst Du mir ganz ungeniert all jene Fragen zum Thema stellen, die ich heute vergessen haben sollte. 

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