All the world’s a stage – and New York is its highest pedestal.

«Die ganze Welt ist eine Bühne – und New York ist ihr höchstes Podest», sagte Shakespeare – oder würde es heute bestimmt so präzisieren, ist Kulturjournalistin und sonrisa-Gastbloggerin Susanna Petrin überzeugt, die sich in der Rubrik «Beautiful in New York» mit verschiedenen Menschen vor Ort über das Thema Schönheit unterhält. Heute zu Gast auf dieser Bühne: Model und Künstlerin Milya, angetroffen bei einer Party in Bushwick.

Kulturjournalistin Susanna Petrin befragt als sonrisa-Gastbloggerin in der neuen Rubrik "Beautiful in New York" Menschen vor Ort wie Model Milya, was sie unter Schönheit verstehen.

Dritter Auftritt: Milya

Eine Party zu crashen ist das eine. Es erst nach einer halben Stunde zu merken, ist das andere.

«Das kann nur Dir passieren», höre ich meine Freunde im Chor sagen.

Eigentlich wollte ich mit zwei neuen Freunden nur ein weiteres Atelier anschauen. Es war ein Tag der offenen Türe in Bushwick, und wir hatten bereits diverse Studios in der Nachbarschaft besucht. Langsam wurde es dunkel und ich sagte «Lasst uns dieses eine noch anschauen». Denn: «Chila for Fun», so der Name, das klang, nun nach Fun. Viel Spass.

Wir kamen zu einem Einfamilienhaus, wurden reingelassen, durchgeschleust und gelangten in den Hinterhof. Dort hatte ein freundlicher Mann den Grill angelassen und rührte in einer grossen Schüssel Sangria. Erschöpft von einem Tag voller Kunst setzten wir uns auf eine Gartenbank. Alsbald hielten wir je ein Glas Sangria in der Hand. Der Hinterhof begann sich mit Menschen zu füllen, das grillierte Huhn war das best-marinierte, das ich je gegessen habe.

Irgendwann fiel mir auf, dass wir die einzigen weissen Anwesenden waren. Irgendwann befanden meine Freunde, dass ich diese Party schon sehr nonchalant gecrasht hätte. Erst da begriff ich, dass der Tag der offenen Türe vorbei war, und das hier, das war eine private Party der Bewohner dieses Hauses.

Und was für eine Party! Noch selten hatte ich so viele schöne Menschen gesehen. Kein Wunder, viele von ihnen waren Models, die regelmässig für das Label der Hausherrin posierten. Deren Spezialität ist Crochet, also gehäkelte Kleidung. Besonders originell sind ihre gehäkelten Bikinis. Es hilft, eine Figur wie zum Beispiel Ursula Andress zu haben, wenn man das trägt.

Oder wie Milya.

Die schlanke, junge Frau trägt an diesem Abend ein bauchfreies, von einem silbernen Band knapp zusammengehaltenes Top. Die rostrot gefärbten Haare hat sie zu Zöpfen in ganz unterschiedlichen Grössen geflochten. Schönheit, sagt sie, komme von Innen. Und sie meine damit die mentale Gesundheit: «Wenn man zum Beispiel gestresst ist, zeigt sich das auf der Haut, am Körper. Wenn man glücklich ist, strahlt man das aus», sagt sie. «Darum sollte man als erstes auf sich selbst achten.» Die Modeindustrie sei von Eitelkeit durchdrungen. «So bin ich nicht aufgewachsen. Ich bin gerne mit echten Menschen zusammen.» Sie arbeite deshalb nicht nur als Model, sie sei auch Malerin und Illustratorin: «Ich möchte Kunst schaffen, die zu Gespräch simuliert über Spiritualität, Liebe und politischen Aktivismus. Ich möchte über wichtige gesellschaftliche Themen reden, darüber, was in der Welt passiert.»

Aus diesem Grund habe sie das ccc Kunstkollektiv gegründet, erklärt Milya weiter. «Ich möchte mich über die Kunst auch mit anderen verbinden.» Fürs Photo posiert Milya darum vor zwei ihrer Werke: Einer Phoenix-Frau und einem Vater mit seinem Kind. Sich selbst neu erfinden und jemanden lieben, darum gehe es.

Ich sollte öfter Parties crashen. 

Zur Autorin:

Susanna Petrin lebt und arbeitet als Journalistin in New York. Sie hat ein Studium der Germanistik, Anglistik und Publizistik in Basel und Zürich abgeschlossen und als Redaktorin für diverse Zeitungen gearbeitet. Derzeit schreibt und produziert sie Beiträge unter anderen für die NZZ, die Nordwestschweiz, Deutschlandfunk, SRF – und nun auch für Sonrisa. Schön findet sie Humor, Leidenschaft und guten Cappuccino zu einer realen Zeitung.

Kulturjournalistin Susanna Petrin befragt als sonrisa-Gastbloggerin in der neuen Rubrik "Beautiful in New York" die Menschen vor Ort, was sie unter Schönheit verstehen.