Auf Duftreise mit Gallivant

Vermutlich ist es ganz gut – ein Wink des Schicksals sogar? –, dass ich meine hastig hingekritzelten Notizen während des Beauty-Dates mit Parfum-Experte Nick Steward trotz intensiver Suche nirgendwo finde.

Einerseits, weil mir damit das mühsame Entziffern meiner süsslichen Schwärmereien («was für ein Schnügger! Ein echter Charmeur! Und dann trägt er auch noch einen Streifenpullover, awww…») erspart bleibt und andererseits, weil Du von diesen kitschigen Ausbrüchen komplett verschont bleibst.

Win, win wie aus dem Lehrbuch, right?

Die derart gewonnene Zeit nutze ich stattdessen, um Dir ganz kurz den neuen Parfum-Brand Gallivant von lovely Nick zu vorzustellen – an die wichtigsten Punkte erinnere ich mich nämlich auch ohne Unterlagen –, bevor wir gemeinsam eine Duftreise rund um die Welt machen.

 

Meet Nick Stewart – Begründer des Nischenparfumlabels Gallivant, das duftende Portraits von Städten macht.

 

 

Gallivant: Die Fakten

 

Als ehemaliger Creative Director des Pariser Parfümhauses L’ Partisan Parfumeur ist Gallivant-Begründer Nick Stewart bestens vertraut mit der Duft-Branche. Dort ist er übrigens nur per Zufall gelandet, «ursprünglich arbeitete ich für ein internationales Fashion- und Beauty-Label, das mich wegen meinen Sprachkenntnissen angestellt hatte», erklärte er mir der studierte Linguist.

Acht Jahre arbeitete Nick bei L’ Artisan Parfumeur, bevor er unlängst sein eigenes Label lancierte. Er habe den Schritt gewagt, weil er davon überzeugt sei, dass viele Menschen sich langsam, aber sicher satt geschnuppert hätten an den massentauglichen Düften der internationalen Beauty-Giganten. «Ich wollte etwas eigenes machen. Etwas sinnvolles, handwerklich von hoher Qualität, mit dem Fokus auf guten Rohstoffen und ohne teure Marketingkampagnen», so seine Begründung.

Der Name des neuen Duftlabels aus London leitet sich vom englischen Verb «to gallivant» ab, was auf Deutsch so viel wie «ohne bestimmtes Ziel durch die Gegend treiben» heisst. «Diese Düfte sind meine Herangehensweise an Städte, die ich kenne und mit denen ich mich verbunden fühle», sagte mir Firmen-Begründer Nick Stewart über das Konzept seiner neuen Duft-Reihe, mit denen er seine persönlichen Reise-Erfahrungen eingefangen hat und die er entsprechend als «Parfums für urbane Forscher» beschreibt.

Die Inspiration zu seinen Parfums komme «von meinen eigenen Eindrücken vor Ort, aber auch durch Musik die ich dort gehört habe oder Fotos, die an diesen Plätzen gemacht wurden. Man könnte sagen, es sind meine Reise-Tagebücher, die ich in Düfte übersetzt habe», verriet mir Nick, als ich ihn nach der Entstehungsgeschichte der einzelnen Parfums fragte.

Für die Entwicklung seiner duftenden Städte-Portraits holte der reizende Nick die beiden Parfumeurinnen Giorgia Navarra aus Venedig und Karine Chevallier aus Paris an Bord: «Ich brauchte diese weibliche Energie in meinem Projekt. Es hätte etwas gefehlt, wenn ich nur mit Männern gearbeitet hätte», erklärter er seine Wahl im Gespräch mit der Zeitschrift Wallpaper.

 

 

Gallivant: Die Düfte

 

Die Unisex-Parfums des jungen Nischenlabels Gallivant sind duftende Portraits von Städten.

 

Amsterdam

Bei meinem Lieblingsduft von Gallivant vermischen sich Elemiharz, Schnitts Molle CO2-Extrakt (frag bitte nicht, was das ist, diesen Teil habe ich aus den Presseunterlagen abgeschrieben), Szechuan Pfeffer sowie Safran, zu denen in der Herznote die Gerüche von Tulpe und Rose kommen.

Nick sagt dazu: «Dieser Duft fängt die Stimmung ein, wenn der Herbst in den Winter übergeht. Die Freiheit, auf dem Velo an den ehemaligen Gewürzspeichern entlangzufahren bis zu einem Apartment am Kanal in der Prinsengracht. Wind im Haar. Jetzt sind wir angekommen. Es wird dunkel. Es ist “gezellig”, wie man hier so schön sagt. Die Quintessenz vom gutenAmsterdamer Leben – es ist gemütlich. Kuschelig. Warm. Blumen stehen am Fenster. Kuchen und das Gefühl, sich etwas zu gönnen. Schön gefertigte Holzmöbel und dunkleFarbtöne an den Wänden.»

 

Berlin

Die duftende Hommage an meine frühere Heimat beginnt mit einer frischen Kopfnote aus Grapefruit, Klementine, Zitrone sowie (schon wieder) Schinus Molle CO2 Extrakt. Dazu kommen im Herzen die Noten von schwarzem Pfeffer, schwarzem Tee und hölzernen Untertönen aus haitianischem Vetiver, Zedernholz sowie Patschuli.

Nick sagt dazu: «Berlin als Duft ruft Erinnerungen an Beton und  Stahl hervor – aber auch an den Wald sowie die vielen Seen außerhalb der Stadt. Es ist die Erinnerung an sorgenfreie Sommer, die Frische des Wassers, wenn man im Wannsee schwimmt. Berlin ist aber auch sandiges, städtisches Leben, es ist Leder, Rauch, Gewürze, Wärme, Tassen mit schwarzem Tee, drinnen und unterirdisch sein. Dekadent, arm aber sexy. Es ist eine Stadt voller roher Wohnblöcke, mit viel Beton, eleganten Parkettböden – moderner Bohemian halt.»

 

Die Unisex-Parfums des jungen Nischenlabels Gallivant sind duftende Portraits von Städten. ind

 

Brooklyn

Brooklyn als Stadtteil ist riesig, total heterogen, wunderbar. Und als Parfum? Duftet es gut, finde ich. Nach Bergamotte, gepresstem Zitronen- und Orangensaft (wie auch immer das gewonnen wird), Weihrauch, Kardamom und ozonischen Aromen in der Kopfnote, die in der Herznote durch ein blumiges Bouquet aus Magnolie und Iriswurzel ergänzt wird. Weisse Hölzer, Benzoeharz, Amber und Moschus runden den Duft ab und verleihen ihm etwas unerwartetes.

Nick sagt dazu: «Für mich ist Brooklyn ein Energieausbruch, Zitrusgewächse und dann hell und warm – sozusagen das Sprudeln eines städtischen Spielplatzes. Alles passiert non-stop, es geht immer weiter, energiegeladen mit einem kreativen und intellektuellen Zischen. Power-walking zu einem Frühstücks-Treffen über die Brooklyn Bridge. Es ist Leben auf dem Trottoir, morgendliche Sommerbrisen, das Glühen der Lichter in den Bars, erhellte Wohnungen in denen Büchern zu sehen sind. Cocktails schlürfen mit Freunden. Ein träger Mai-Nachmittag in der Sonne im Slope Park, Wärme auf der Haut. Kleine Blumen im Gras. Frische Luft.»

 

Istanbul

Wer hier einen typisch orientalischen Duft erwartet, dürfte überrascht sein: Istanbul von Gallivant riecht in der Kopfnote nach einer Komposition aus Bergamotte, Kardamom und rotem Thymian. Im Zentrum der Herznote stehen ein kräftiges Lavendel Absolue, eine ägyptische Geranien-Essenz, Patschuli und eine besonders süße Myrrhe-Essenz. Den Abschluss bilden Sandelholz, Vanille, Tonkabohne, Amber und Moschus in der Basisnote.

Nick sagt dazu: «Dieses Gefühl einer antiken Stadt, aber mit einer aktuellen Frische und Moderne. Ein uraltes, luxuriöses und ein ganz neues Bewusstsein. Bisweilen werden Klischees wahr. Dies ist das Zusammentreffen zweier Kontinente und vor allem: zweier Kulturen. Crèmiger Kaffee. Samt. Weihrauch. Leder. Gewürze. In Moda aufwachen, den Bosporus überqueren und eine laue Nacht in Karaköy.»

 

London

Wie spannend: Beim Duft seines Wohnsitzes hat sich Nick für Gurke und Veilchenblätter in der Kopfnote entschieden, auf die eine Herznote aus Blumen folgt, die in eine Basisnote mit Leder, Sandelholz, Patschuli und Zedernholz übergeht.

Nick sagt dazu: «London ist klein, gross, ansteckend, aufsteigend, geerdet und mit diesem unverkennbaren Sinn für Humor. Es ist ein nasser Frühling. Georgische Architektur. Ein Hauch von Staub. Eine erdige, satte Feuchtigkeit, die man fast schmecken kann. East end boys und west end girls, dieser Song ist für mich der Soundtrack von London, ganz klar. Second-hand Lederjacken. Schön, hässlich, kreativ, alt, neu, arm, reich – hier reibt sich alles aneinander.»

 

Tel Aviv

Da hat Nick aber – höhö – ein gutes Näschen bewiesen: Mit Tel Aviv als Parfum hat er nach eigenen Aussagen diese schöne Stadt als erster in ein Parfum übersetzt. Die Duftformel dazu besteht aus a) Klementine, Bergamotte sowie Johannisbeer-Knospe in der Kopfnote, aus b) Jasmin Sambac Absolute, Ylang Ylang von den Komoren, Rosenöl und Freesie in der Herznote und c) Sandelholz, Moschus, Liatrix Absolute (yep! Auch das kommt direkt aus den Presseunterlagen und ich bin entsprechend überfragt, wenn es um die Details dieser Essenz geht) sowie Benzoeharz.

Nick sagt dazu: «Sonne. Hell, Weiß, gelb. Goldener Schmuck auf leicht gebräunter Haut. Ein Hauchvom Glamour der siebziger Jahre. Es ist sexy, es ist eine Party. Es ist das Leben wie in einer Blase. Es ist ein Spaziergang am Strand, nackte Haut, sich entspannt fühlen, wohlig, aber gleichzeitig ist man in dieser großen Stadt, da ist Lärm, da sind Menschen und ein Anflug von Heftigkeit und Wahnsinn. Es ist Bauhaus. Es ist Schweiss, Zigarettenrauch, Hitze, Blumen auf den Balkonen über den Köpfen.»

 

Die Unisex-Parfums des jungen Nischenlabels Gallivant sind duftende Portraits von Städten.

 

Alle Düfte von Gallivant, das einfach noch zur Ergänzung sind bewusst als Unisex-Parfums konzipiert («die persönlichen Vorlieben und nicht das Geschlecht sind entscheidend bei der Wahl eines Parfums», findet Nick) und in reisefreundlichen Flakons zu 30ml («gemacht für Weltenbummler, die genau so gerne reisen wie ich») exklusiv bei Marionnaud erhältlich (zu je ca. 110 CHF).

 

Meet Nick Stewart – Begründer des Nischenparfumlabels Gallivant, das duftende Portraits von Städten macht.

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