Fernöstliche Schönheit: Backstage bei Shiseido

Eines musst Du zugeben, Spätzli: Langweilig wird es nie auf sonrisa.ch.

Haben wir im vergangenen Blogpost noch gemeinsam eine Retro-Reise durch die limitierte Nagellack-Kollektion Grease by OPI gemacht, so geht es heute wieder mal auf Reisen.

Nach Tokio zu Shiseido im noblen Einkaufsviertel Ginza, um genau zu sein, wo ich – wie bereits in meinem erstem Japan-Blogpost angetönt – einen Blick hinter die Kulissen des japanischen Traditionshauses werfen durfte, zu dem ich Dir hier die spannendsten, lustigsten, überraschendsten und interessantesten Fakten zusammen getragen habe.

 

sonrisa war im Hauptquarier von Shiseido und hat zehn Fun Facts erfahren, die Du vielleicht noch nicht kennst.

 

Shiseido: die Anfänge

 

Als im Jahre 1872 – also genau 100 Jahr bevor ich auf die Welt kam – ein gewaltiges Feuer das heute als Ginza bekannte Quartier von Tokio in Schutt und Asche legte, nutze die Regierung die Tragödie für einen Neuanfang und liess den Stadtteil vom britischen Architekten Josiah Conder und dem Ingenieur Thomas J. Waters im westlichen Stil wieder aufbauen: Mit mehrstöckigen Gebäuden aus Backstein, gepflasterten Strassen, Gaslampen, Trottoirs für Fussgänger und einem auf 27 Meter verbreiterten Boulevard, welcher zur ersten Flaniermeile in Japan wurde.

Unter den vielen neuen Geschäften in Ginza befand sich auch die erste, nach westlichem Vorbild konzipierte Apotheke eines gewissen Arinobu Fukuhara, der damit seinen Landsleuten erstmals in der Geschichte Japans eine Alternative zur traditionellen östlichen Medizin anbot.

 

sonrisa war backstage bei Shiseido und hat zehn Fun Facts erfahren, die Du vielleicht noch nicht kennst.

 

Das ambitionierte Ziel des damals 23jährigen Pharmazeuten bestand nach eigenen Aussagen darin, in seinem Geschäft (unten zu sehen aus dem Jahre 1919) «alles Gute der Welt zusammenzutragen und zur Entwicklung neuer Dinge zu verwenden», was durchaus auch als Kritik an der damaligen medizinischen Versorgung in Japan verstanden werden durfte.

Vor allem aber passte die moderne Vision des Jungunternehmers perfekt zum damals neu erwachten Interesse Japans für den Westen und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass schon bald die Elite des Landes zur Kundschaft von Arinobu Fukuhara gehörte.

Es war, wie wir heute wissen, der Anfang einer phänomenalen Erfolgsgeschichte, welche bis heute die Beauty-Branche nachhaltig prägt.

 

sonrisa war im Hauptquarier von Shiseido und hat zehn Fun Facts erfahren, die Du vielleicht noch nicht kennst.

 

Shiseido: der Name

 

Statt die Firma nach sich selbst zu benennen, entschied sich Fukuhara für den Namen «Shiseido», der sich aus den alten chinesischen Schriftzeichen «Do», was so viel heisst wie «Haus» sowie «Shi Sei», was mit «wo alles geboren ist» übersetzt werden kann.

Die Worte, übrigens, stammen aus einem Gedicht des Buches von Yi Jing und bedeuten so viel wie «Preise die Tugenden dieser Erde, die neues Leben gibt und neue Werte schafft».

 

Shiseido: der erste Bestseller

 

Durch seine Arbeit als Chefpharmazeut des Marine-Spitals in Tokio wurde Arinobu regelmässig mit den Nachteilen der damaligen Zahnreinigungsmittel konfrontiert, die – hergestellt aus gebranntem Salz und Kalkstein – nicht nur abscheulich schmeckten, sondern aufgrund ihrer Pulverform gerade auf hoher See sehr oft verschüttet wurden.

Während mehreren Jahren tüftelte der studierte Pharmakologe darum an einer Formel für ein modernes Mittel für die Dentalhygiene herum, bis er 1888 die erste japanische Zahnpasta auf den Markt brachte. Der Erfolg liess trotz des relativ stolzen Preises nicht auf sich warten und Arinobu schaffte es mit seinem Produkt nicht nur ins japanische Lexikon, sondern auch auf den Radar der japanischen Bevölkerung.

 

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Shiseido: das erste Kosmetikprodukt

 

Trotz des stetig wachsenden Interesses an westlichen Traditionen orientierten sich die meisten Shiseido-Kundinnen bei ihrer Beauty-Routine am landesüblichen Schönheitsideal, zu dem unter anderem ein stark weiss gepudertes Gesicht gehörte.

Genau hier sah der umtriebige Arinobu seine Chance, indem er genau 25 Jahre nach der Gründung von Shiseido mit Eudermine – der Name setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort «Eu» für «gut» und «derma» für «Haut» – eine hochwertige Essenz zur Pflege der Haut nach dem Abpudern lancierte.

 

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Blitzschnell entwickelte das nach Pfingstrosen duftende «rote Wasser» vom Geheimtipp der japanischen Oberschicht zum nationalen Kosmetik-Bestseller, da es sich für alle Altersgruppen und Hauttypen eignete. Und es noch immer tut, denn Eudermine ist immer noch erhältlich, auch wenn im Verlauf der Jahre natürlich nicht nur das Design der kultigen Verpackung, sondern auch die Formel mehrfach überarbeitet wurden.

Unverändert hingegen ist die Begeisterung der Japaner für das erste Kosmetikprodukt von Shiseido, das wegen seinen beruhigenden und befeuchtenden Eigenschaften so gut wie in jedem Badezimmer des Landes zu finden ist.

 

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Shiseido: die süsse Seite der Firma

 

Noch während seiner Zeit bei der japanischen Marine reiste Arinobu Fukuhara nach Amerika, von wo er nicht nur das Konzept des Drugstores – ein Ort, an dem es von Tabletten bis Kosmetika zu kaufen gab –, sondern auch einen Limonade- und Glacé-Brunnen mitbrachte (im Bild zu sehen), den er zehn Jahre nach der Gründung von Shiseido als zusätzliche Attraktion in der Apotheke installierte.

 

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Um einen möglich authentischen Einblick in «the American Way of life» zu bieten, wurden die kalten Köstlichkeiten aus dem Soda Fountain in aus den USA importierten Eisbechern serviert: Sehr zum Entzücken einer immer grösser werdenden Kundschaft, so dass sich Arinobu Fukuhara aus Platzgründen 1928 gezwungen sah, die Maschine in einem anderen Gebäude unterzubringen.

Bald schon entwickelte sich der so genannte «Shiseido Ice Cream Parlor» zum beliebten Treffpunkt, wo Gourmets und Bohemians in ungezwungener Atmosphäre bei live gespielter Musik die verschiedenen Süssigkeiten auf der Karte geniessen konnten.

 

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Heute wiederum sind es – für mich zumindest – die fast schon nostalgischen Vibes, welche einen Besuch im 2001vom spanischen Star-Architekten Ricardo Bofill nachgebauten «Shiseido Parlor»-Haus zu einem Fest für alle Sinne* machen, das man sich bei einem Besuch in Tokio auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

 

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*das Dessert mit Soft-Ice nach einem Original-Rezept aus der Gründungszeit im Restaurant ist der Knüller!

 

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Shiseido: das Logo

 

Eigentlich wollte Shinzo Fukuhara als Künstler im Bereich der Fotografie Karriere machen. Ganz andere Pläne hingegen hatte sein Vater Arinobu, der seinem drittältesten Sohn die Firma übergeben wollte. Also schickte er seinen künftigen Nachfolger ins Ausland nach New York zum Pharmazie-Studium, dem eine ausgedehnte Reise durch Europa folgte: Offiziell, um das Geschäft mit der Schönheit von Grund auf kennenzulernen und inoffiziell, um dem jungen Shinzo die Möglichkeit zu geben, seine künstlerischen Neigungen auszuleben.

 

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Zurück in Japan und an der Spitze von Shiseido gründete Fukuhara Junior das «Design Department» mit einer Gruppe japanischer Künstler (grad hier auf Bild aus ca. 1920 zu sehen) , die eine Serie von Werbepostern im Stil des Pariser Jugendstils kreierten, um der Firma über Japans Grenzen hinweg eine optische Identität zu verleihen.

 

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Auch das bekannte Kamelien-Logo – auf Japanisch Hanatsubaki genannt – von Shiseido entstand zu jener Zeit und basieren auf den Entwürfen von Shinzo persönlich.

«Als Beleg seiner Voraussicht und seines Talents hat das Logo mit seiner Schlichtheit bis heute alle Trends überdauert und wirkt immer noch ebenso modern wie zeitgenössisch, fernöstlich wie international», heisst es auf der Homepage von Shiseido über die Entstehungsgeschichte des Markenzeichens der Firma, das meiner Meinung nach in seiner Schlichtheit tatsächlich ein stilistisches Meisterwerk ist.

 

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Shiseido: der Fanclub und andere Marketing-Geniestreiche

 

Wie sein Vater machte sich auch Shinzo Fukuhara einen Namen als Pionier. In erster Linie durch den Ausbau der Produktpalette im Beauty-Bereich, die er – als absolutes Novum für damals – unter anderem um farbige Gesichtspuder sowie eine Duft-Linie erweiterte, aber auch durch seine bisweilen fast schon visionären Marketing-Konzepte.

 

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Ein Beispiel dafür ist der 1939 gegründete Kamelien-Club für Fans von Shiseido-Produkten, der mittlerweile mehrere Millionen Mitglieder hat und entsprechend Kult-Status geniesst. Um den Japanerinnen die Marke näher zu bringen, wurden unter Shinzo Fukuhara ausserdem ab 1933 junge Frauen aus gutem Haus zu so genannten Miss Shiseidos ausgebildet, die als Schönheitsberaterinnen den Brand im ganzen Land vertraten.

 

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Shiseido: die Männer

 

MG5 – MG stand für «modern Gentlemen» hiess die erste komplette Beauty-Serie für Männer aus dem Jahre 1959, zu der neben Haar- und Hautpflegeprodukten bald auch noch Düfte gehörten.

 

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Entwickelt für Männer mit einem aktiven Lebensstil wurde die Linie mit Schauspieler Giro Dan im James Bond-Look als Kampagnen-Botschafter inszeniert. Weil aber auf dem Bild auch eine Dänische Dogge zu sehen war, dachten viele Menschen, es handle sich um Werbung für Hundefutter…

 

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Shiseido: Serge Lutens

 

Nach dem Krieg steigt Shinzo’s Neffe Yoshiharu im Alter von 22 Jahren in das Unternehmen ein. In dritter Generation sollte der Enkel von Shiseido-Begründer Arinobu die Firma weltweit bekannt machen.

Dafür holt er unter anderem das kreative Multitalent Serge Lutens an Bord, den er als Creative Director für Shiseido Europe einstellt – und ihm dabei die völlige Freiheit gibt.

 

sonrisa war im Hauptquarier von Shiseido und hat zehn Fun Facts erfahren, die Du vielleicht noch nicht kennst.

 

«Eine Zusammenarbeit, die es der in jener Zeit international praktisch unbekannten japanischen Kosmetik-Gruppe ermöglicht, eine so kraftvolle visuelle Identität zu etablieren, dass der Konzern in den 80er und 90er Jahren weltweit zu einem der wichtigsten Marktakteure wird», beschreibt Serge Lutens mit für ihn durchaus typischem, aber eben auch absolut gerechtfertigtem Selbstbewusstsein seinen Einfluss auf die Geschichte Shiseidos in jener Zeit.

 

Shiseido: Omotenashi

 

Damals wie heute bildet Omotenashi die Grundlage der Philosophie von Shiseido: Ein japanischer Ausdruck, der für Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Offenheit sowie Einsatz steht.

«Im Universum von Shiseido geht es darum, sich jederzeit und vollkommen auf die Bedürfnisse des Gegenübers einzustellen. Das gilt genauso für die Entwicklung neuer Produkten wie auch den Umgang mit Kunden, Kollegen, Geschäftspartnern oder Besuchern. Denn für Shiseido bedeutet Schönheit nicht nur gutes Aussehen, sondern das Engagement für ein umfassendes Wohlbefinden», sagte unsere reizende Gastgeberin Hiroko über die Werte der Firma. Und sprach fasste damit in Worte, was der Liebste und ich während des Rundgangs im Hauptquartier von Shiseido erlebten, der genau aus diesem Grund zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde für uns.

 

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4 Kommentare bei „Fernöstliche Schönheit: Backstage bei Shiseido“

  1. Wunderbares Portrait, ganz herzlichen Dank. Ich liebe japanisches Design, die Ästhetik der Werbeplakate ist Famos. 😊

    1. Liebe Maja, ich habe zu danken – für Dein Interesse und Deine tolle Rückmeldung. You made my day! Liebe Grüsse, Katrin

  2. Viktor Roth-Mangold sagt: Antworten

    Habe den Bericht gelesen und finde ihn wunderbar. Man bekommt so richtig Sehnsucht nach Japan.
    Mach weiter so.
    Viktor

    1. Lieber Viktor, ich danke Dir von Herzen! Liebste Grüsse, Katrin

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