Als ich unlängst aus beruflichem und persönlichem Interesse im Internet nach tollen Brands von POC (People of color) suchte, stiess ich relativ schnell auf lockenkopf.ch: Eine online Boutique «für all jene Lockenköpfe die Ihre Haare auf natürliche Art hegen und pflegen wollen», wie Begründerin Rosa Maria erklärte, der ich an dieser Stelle das Wort übergeben möchte. 

Ohne weitere Erklärungen von mir. 

Damit Du von Rosa Maria persönlich erfährst, wie sie zur Spezialistin für Lockenköpfe wurde und was sie dabei alles erlebt hat. 

An dieser Stelle mein ganz herzliches Dankeschön an diese auf jeder Ebene unglaublich starke Frau, deren Geschichte mich gleichermassen berührt und inspiriert! 

Rosa Maria ist die Begründerin der Online-Boutique lockenkopf.ch. Auf sonrisa erzählt sie von ihrem Werdegang zur Beauty-Unternehmerin und warum Locken ein Statement sein können.
Rosa Maria ist die Begründerin der Online-Boutique lockenkopf.ch. Auf sonrisa erzählt sie von ihrem Werdegang zur Beauty-Unternehmerin und warum Locken ein Statement sein können.
Rosa Maria ist die Begründerin der Online-Boutique lockenkopf.ch. Auf sonrisa erzählt sie von ihrem Werdegang zur Beauty-Unternehmerin und warum Locken ein Statement sein können.

«Geboren und aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf, mitten im Land, umgeben von Reisfeldern und Plantagen. Ich bin also ein richtiges Landmädchen aus der Dominikanischen Republik. 

Mit 13 oder 14 Jahren zog ich nach Santo Domingo um eine höhere Schule zu besuchen. Ich musste meine Eltern lange anbetteln, aber irgendwann haben sie nachgegeben und liessen mich gehen. Die Ankunft in der Hauptstadt war speziell, ich fühlte mich wie in einer anderen Welt. Bis heute kann ich mich genau an mein erstes Stück Pizza erinnern, das ich mir dort von meinem Lohn als Kindermädchen – ein Job, um die Schule zu zahlen – gegönnt habe. Meist reichte das Geld entweder für den Bus oder ein Stück Pizza – wann immer es möglich war, bin ich gelaufen und habe dazu meine Pizza gegessen… 

Nach meinem Abschluss bin ich als 20jährige in die Schweiz gekommen, wo ich in Zürich Modedesign studiert habe. Über die Mode lernte ich auch meinen Mann kennen. Was mir bald mal auffiel hier: Dass mein Lächeln und Lachen oft als Flirten interpretiert wurde. Um das zu vermeiden, habe ich irgendwann aufgehört so viel zu lachen und mit den Händen zu reden. Heute werde ich leider oft für unnahbar gehalten, obwohl ich eigentlich nur schüchtern geworden bin. 

Rosa Maria ist die Begründerin der Online-Boutique lockenkopf.ch. Auf sonrisa erzählt sie von ihrem Werdegang zur Beauty-Unternehmerin und warum Locken ein Statement sein können.

Um die Geschichte hinter lockenkopf.ch zu kennen, muss man aber in der Zeit noch viel weiter zurück reisen bis zu jenem Moment, als in den USA die Sklaverei abgeschafft wurde. Viele von den ehemaligen Sklaven übernahmen damals die Namen Ihrer ‘Arbeitgeber’ oder wählten sich ‘weiss’ klingende Namen, um sich den Weissen anzunähern. 

Aus diesem Grund streckte man sich die Locken mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, obwohl das die Haare kaputt machte und letztlich auch nie zum Ziel führte.

Denn, wie soll ich sagen, eine Toni Morrison wird niemals ein Dürrenmatt sein, oder andersrum. Beide sind auf Ihre Art besonders und einzigartig. Stell Dir mal vor alle würden versuchen wie Shakespeare zu schreiben… das wäre doch furchtbar langweilig über die Jahre:) 

Aber genau ist es bis heute mit den Afro-Haaren in meiner Heimat. Wenn eine Frau bei uns in der Dominikanischen Republik nicht die Haare streckt, dann gilt sie als arm und vor allem: ungepflegt. Natürlich hat diese Kultur auch mich während vielen Jahren geprägt und ich trug meine Haare gestreckt.

Der Wandel kam ziemlich genau eine Woche nach meiner Heirat, als ich – schon lange in der Schweiz lebend – meinen damals sechs Monate alten Sohn anschaute und mir überlegte, welches Bild ich ihm als Mutter vermitteln möchte. Wie soll mein Kind mit sich glücklich sein, wenn die Mama es nicht ist beziehungsweise wenn sie ihm nicht vorlebt, wie schön wir alle sind? Diese Fragen beschäftigten mich derart, dass ich meinen Mann bat, mir den Kopf zu rasieren. Ich entschied mich für die Glatze, um einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen. 

Es war ein krasser Schritt und im ersten Moment fühlte es sich komisch an, die eigene Kopfhaut mit der Handfläche zu fühlen. Von meinem Mann wurde ich von Anfang an voll unterstützt, er war zunächst total überrascht, dass meine Haare nicht von Natur aus glatt waren und konnte es dann nicht verstehen, warum ich nicht schon früher Locken trug. Ihm gefielen Locken wohl schon immer besser – und ich fühle mich heute mit meinen natürlichen Haaren so, als wäre ich endlich bei mir angekommen. 

Meine Mutter hingegen – sie war wegen der Hochzeit bei uns zu Besuch – konnte das nicht verstehen. Sie bat mich dringend darum, ein Kopftuch anzuziehen, wenn ich mit ihr rausging. Auch meine Freundinnen aus der Dominikanischen Republik waren fassungslos, eine von ihnen fragte mich sogar ernsthaft, ob ich nicht vielleicht mit einem Psychologen reden wolle? Alle waren sich einig, dass es sich nur um eine vorübergehende Phase handeln würde.

Tatsächlich war diese Rasur für mich der Startschuss in ein Leben mit Locken, das mich bei der Haar-Pflege schon bald vor neue Herausforderungen stellte, weil ich die passenden Produkte für meine Locken brauchte. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu recherchieren und so tauchte ich immer tiefer ein in die Welt der natürlichen Lockenpflege. 

Mein grösstes Problem war die Beschaffung der Produkte, die ich zum Teil daheim selbst herstellte oder aus den USA bestellte. Weil das aber oft ewig dauerte und ausserdem auch ziemlich viel kostete, kam irgendwann die Idee auf, mein mir angeeignetes wissen über Locken und deren Pflege, in einen Shop mit rein natürlichen Produkten für Locken zu verwandeln. 

Rosa Maria ist die Begründerin der Online-Boutique lockenkopf.ch. Auf sonrisa erzählt sie von ihrem Werdegang zur Beauty-Unternehmerin und warum Locken ein Statement sein können.

Von dem ersten Gespräch darüber bis zum ‘Ok lass es uns tun!’ vergingen dann nochmal fast drei Jahre.  

Es gab endlose viele Konzept, die wieder verworfen wurden aus denen neue wuchsen. Mir war es von Anfang an wichtig, mit lockenkopf.ch das gleiche Kauferlebnis zu bieten wie in einem ‘echten’ Geschäft: Keine leichte Aufgabe also und so dauerte es einen Moment, bis wir dann endlich mit gerade mal zehn Fotos von Produkten und dem Shop angefangen haben. Als die ersten Bestellungen eingingen waren wir noch am Programmieren, ich konnte das kaum glauben.

Den Namen habe lockenkopf habe ich insofern sehr bewusst gewählt, da ich mit meinem Shop wirklich alle Lockenköpfe ansprechen möchte von leichten Wellen über Zapfenlöckchen bis hin zu krausem Haar. 

So können mir zum Beispiel alle schreiben, wenn er/sie nicht sicher sind, welche Produkte zu ihnen passen oder wenn sie einfach nur Rat brauchen. Ich bitte sie dann mir ein Foto Ihrer Locken zu senden und basierend darauf stelle ich dann eine individuelle Lockenpflege-Routine zusammen. Natürlich ist es auch schon vorgekommen, dass meine Empfehlung falsch war, aber auch dann finden wir immer eine Lösung. Für mich ist die Beziehung zur Kundschaft Kunden mit dem Kauf nicht beendet, sie fängt da eigentlich erst an. 

Ich bin immer wieder überrascht auf wieviel Dankbarkeit das trifft. Manchmal höre ich nach dem Beratungs-Kontakt ein paar Monate nichts mehr und dann kommt ein Foto in die Mailbox von einem strahlenden Lockenkopf zusammen mit einer Dankesnachricht. Das macht mich glücklich, weil ich dann fühle, dass ich Menschen mit lockenkopf.ch glücklich machen kann. So kommt die Liebe, die man versendet auch wieder zurück.»    

Rosa Maria ist die Begründerin der Online-Boutique lockenkopf.ch. Auf sonrisa erzählt sie von ihrem Werdegang zur Beauty-Unternehmerin und warum Locken ein Statement sein können.
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