Ja was denn jetzt?

Um die Textur, Haltbarkeit und natürlich auch die Wirkung von Kosmetika zu optimieren, landen oftmals Inhaltsstoffe in unseren Beauty-Produkten, die zum Teil Krankheiten und/oder Allergien auslösen sollen, während andere nach jahrelangem Verruf plötzlich wieder als sicher gelten. 

Die Verwirrung ist entsprechend gross – auch bei der Leserschaft von sonrisa, die sich immer wieder mit Fragen zu diesem Thema meldet bei mir. Und mich damit inspiriert hat zu einer Mini-Serie über umstrittene Inhaltsstoffe, in der jeweils zwei Profis mit gegensätzlichen Standpunkten zu Wort kommen. Weil ich der Überzeugung bin, dass ein abschliessendes Urteil – ganz allgemein übrigens – eigentlich erst möglich ist, wenn man beide Seiten gehört beziehungsweise gelesen hat, die sich im ersten Teil dieser Serie jetzt grad mal selbst vorstellen. 

In diesem Sinne: Vorhang auf und Applaus für Maja (Team «Chemie») und Anna (Team «Natur»):

Maja Strasser – der Hautpflegenerd

Eine Gefährdung für die Gesundheit oder völlig harmlos? In der neuen sonrisa-Serie beleuchten jeweils zwei Profis mit unterschiedlichen Standpunkten einen Inhhaltsstoff in der Kosmetik, der für Diskussionen sorgt.

«Wie ich als Fachärztin für Neurologie zur Hautpflege kam? 

Anfangs 40 haben beruflicher und privater Stress deutliche Folgen gezeigt. Meine ehemals ebenmässige, glatte Haut hatte ich nie systematisch gepflegt: Sonnencrème nur auf Wanderungen oder im Urlaub, im Alltag zufällig gekaufte Crèmes von L’ Oréal Paris über Lancôme bis Estée Lauder. Dummerweise hatte ich einmal einen Dermatologen sagen hören, dass man mit Crèmes nichts gegen Hautalterung ausrichten könne, denn wenn die so tief eindringen würden, dass sie wirksam wären, wären sie rezeptpflichtig. Immerhin hätte er in einem Nebensatz tägliche Sonnencrème erwähnen können… 

Da ich Naturwissenschaften liebe und mittlerweile ungern in den Spiegel schaute, habe ich mich einen Nachmittag lang auf dermatologischen Websites kundig gemacht und beschlossen, regelmässig Tretinoin zu verwenden, plus täglich SPF 50. 

Ja, richtig gelesen, ich meine das rezeptpflichtige Tretinoin, der Goldstandard des Antiaging! Nach einem dreiviertel Jahr haben mich reihenweise Freunde und Patienten auf mein erholtes Aussehen angesprochen.

Später kamen dann noch AHA und Vitamin C hinzu. Und das sind seither die Konstanten in meiner Hautpflege: Retinoide, AHA und Vitamin C, plus täglich SPF 50. Damit habe ich während den vergangenen fünf Jahren mindestens acht Jahre weggecremt.

Meine Pflege-Philosophie: Wirksamkeit, am besten wissenschaftlich erwiesen! 

Ich habe kein Problem damit, dass manchen Leuten Naturkosmetik sympathischer ist. 

Was mich stört, ist wenn ‚Chemie‘ aus ideologischen Gründen verteufelt wird (woraus meinen die, dass ihre Naturkosmetik besteht? Das ist auch Chemie…). Wieso soll ich nichts auf die Haut schmieren, was ich nicht auch essen kann? Die Haut ist schliesslich kein Verdauungsorgan – wer mir nicht glaubt, soll sich die Pizza auf das Bein legen und warten, bis sie satt ist! 

Oft werden im Zusammenhang mit umstrittenen Inhaltsstoffen nicht aussagekräftige Studien bemüht, um die eigene Überzeugung zu zementieren. Studie ist nun mal nicht gleich Studie. In vitro Studien, also im Labor Zellkulturen mit (oft viel zu konzentrierten!) Chemikalien zu malträtieren, sind weit weniger aussagekräftig als in vivo Studien. Manchmal werden ungeeignete Tiermodelle verwendet. 

Oder es wird nachgewiesen, dass ein Stoff im Körper oder in Tumoren nachgewiesen werden kann. Heisst das nun automatisch, dass diese Substanz den Tumor verursacht? Natürlich nicht. Daraus kann man vor allem schliessen, dass die Laboranalysen unglaublich gut geworden sind. Manchmal wird nur gezeigt, dass eine Substanz in extremer Konzentration unverträglich ist. Na und? Solche Konzentrationen werden gar nicht verkauft!

Es ist mir bewusst, dass es nicht einfach ist, die Qualität einer Studie zu analysieren. Aber genau das ist entscheidend, wenn man wirklich wissen möchte, ob ein Wirkstoff wirksam und ungefährlich ist.

Selbstverständlich darf man sich aus dem Bauch heraus für Naturkosmetik entscheiden, aber dann soll man das auch so begründen, und nicht ungerechtfertigte Ängste schüren.»

Anna Mandozzi – Begründerin von Biomazing

Eine Gefährdung für die Gesundheit oder völlig harmlos? In der neuen sonrisa-Serie beleuchten jeweils zwei Profis mit unterschiedlichen Standpunkten einen Inhhaltsstoff in der Kosmetik, der für Diskussionen sorgt.

Deo-Crèmes und Konjac Sponges kennt heute jeder?

Das freut mich sehr – und macht mich auch ein wenig stolz, weil das unter anderem mein Verdienst ist. Aber immer hübsch von vorne: Vor fast zehn Jahren und damit lange vor dem Hype um Naturkosmetik habe ich für meinen Onlineshop Biomazing viele spannende Brands aus dem Ausland nach Europa gebracht. Damit habe ich die Entwicklung der Branche nicht nur miterlebt, sondern durchaus auch geprägt. 


Als ausgebildete Juristin bin ich mit regulatorischen Eigenheiten der Bio-Branche vertraut, so dass ich Greenwashing-Strategien schnell als solche erkannte und damit den berühmten Weizen vom Beauty-Spreu trennen konnte bei der Auswahl von Marken. Mein Wunsch – damals wie heute – war es immer, qualitativ hochwertige, effektiv wirksame sowie innovative Produkte für alle zugänglich zu machen. Gleichzeitig wollte ich die Naturkosmetik aus der Reformladen-Ecke holen und sie in die schönsten Geschäfte bringen. Dieser Sprung ist gelungen, denn mittlerweile sind sowohl Naturkosmetik als auch die Clean(er)-Beauty-Bewegung auf dem Vormarsch. 


Heute beschäftigt ich mich als langjährige Branchenexpertin mit Markteinführungen, Vertriebskonzepten, Retail, Marketing und schliesslich auch mit Produktentwicklung und Beratung. Daneben werde ich regelmässig bei Fragen zur Branche, aber vor allem auch zu Inhaltsstoffen, Nachhaltigkeit und Produktsicherheit von Magazinen, Zeitungen und Fachjournalen herangezogen. 

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