Ja, ich weiss, Darling: dieser Titel ist ziemlich provokativ, um es mal nett zu formulieren. Weil ein Thema aufgegriffen wird, das viele Menschen beschäftigt, mich eingeschlossen – nicht nur als Journalistin, die regelmässig über Schönheit schreibt, sondern auch als Frau, die ihrem Spiegelbild manchmal nur mässig wohl gesonnen ist.

Wegen meines Körpers zum Beispiel, mit dem ich erst während der Schwangerschaft Frieden schliessen konnte, da der kleine Mensch darin all meine bisherigen Prioritäten über den Haufen warf.

Ob ich aus diesem Grund seit der Geburt unserer wunderbaren Tochter rund zehn Kilo weniger wiege?

Gut möglich!

Aber viel mehr als die Frage, wie es zu diesem – ungeplanten – Gewichtsverlust kam, beschäftigen mich bis heutedie Reaktionen gewisser Menschen, die meinen Körper seither als «viel zu dünn» befinden. So, wie ich als Teenager meine Beine und meine Kehrseite früher «viel zu moppelig» fand.

In beiden Fällen, das dürfte wohl allen klar sein, gibt es kein «richtig» oder «falsch», da Schönheit keine messbare Einheit ist.

Was wir – an uns genauso wie an anderen – als schön empfinden, ist also immer subjektiv und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab: Von den gesellschaftlichen Normen, von der persönlichen Tagesform sowie – ganz wichtig! – von der Wahrnehmung seines Gegenübers.

Meine verstorbene Grossmutter etwa gehört für mich zu den schönsten Frauen überhaupt, weil sie trotz diversen Schicksalsschlägen bis ins hohe Alter – sie wurde 103 Jahre alt! – nie ihren Humor, ihre Würde, ihre Neugierde, ihre Güte, ihre Leidenschaft sowie ihre Lebensfreude verloren hatte und mir damit zum grossen Vorbild wurde. Wer ihr aber zum Beispiel nur kurz auf der Strasse begegnete, sah in ihr vielleicht einfach eine alte Frau, die mit ihrer grossen Nase, den breiten Händen und ihrer kräftigen Statur nicht wirklich dem gängigen Schönheitsideal entsprach.

Schönheit liegt also tatsächlich im Auge des Betrachters, wie es im Volksmund so schön heisst, wobei wir mit uns selbst in der Regel viel zu hart ins Gericht gehen.

Trotzdem bin ich mir nicht so sicher, ob (viel) mehr Wohlwollen in Form von #selflove und #bodypositivity die einzige Lösung ist, wenn beim Blick in den Spiegel leichter Ärger aufkommt. Denn zumindest ich kann mich manchmal trotz einer ausgeprägten Zufriedenheit mit mir bisweilen masslos ärgern: über meine hängenden Extremitäten, die Besenreisser an den Beinen und natürlich auch über diese olle Falte zwischen den Augen, die mich selbst dann wie ein Stinkstiefel aussehen lässt, wenn ich schreien könnte vor Glück.

In solchen Momenten führt die gut gemeinte Aussage «wir alle sind schön, Du musst Dich einfach nur so akzeptieren, wie Du bist» bei mir leider zu noch mehr Komplexen. Weil ich mich dann nicht nur wie eine schrumplige Rosine mit dünnen Spagetti-Haaren, sondern darüber hinaus auch noch wie eine ultimative Versagerin fühle, die es nicht schafft, zu jeder Sekunde ihres Lebens über ihren angeblichen Makeln stehen kann.

Spinnt man den Faden noch weiter, wären all meine Verschönerungsaktionen – angefangen vom Wimpernlifting  über die dauerhafte Haarentfernung bis hin zum Stylen meiner Haare mit dem Dyson Airwrap – ein Zeichen dafür, dass ich mich nicht so akzeptieren kann, wie ich bin. Kann das wirklich sein? Und wenn nein, wo zieht man die Grenzen?

 

 

Selbstliebe ist unglaublich wichtig, darüber bestehen für mich keine Zweifel. Und niemand – wirklich niemand! – darf wegen seines Äusseren gemobbt, diskriminiert oder mies behandelt werden.

Aber #selflove und #bodypositivty sollte genau so wenig zum Druck werden wie irgendwelche Schönheitsideale. Darum plädiere ich an dieser Stelle für das Recht, nicht immer alle und alles toll finden zu müssen – sich selbst eingeschlossen.

Irritierend finde ich ausserdem, wie sich die Debatte um Bodypositvity meist nur um optische Merkmale dreht. Dass diese Begrenzung auf Äusserlichkeiten viel zu kurz gegriffen ist, wurde mir im vergangenen Jahr während der Moderation eines Gesprächs mit den beiden von mir hoch geschätzten Influencerinnen Anja Zeidler und Morena Diaz klar, die sich beide mit viel Herzblut für mehr Toleranz auf diesem Globus einsetzen.

Besonders beeindruckt war ich, als Buchautorin und Erfolgs-Bloggerin Morena von ihren Herausforderungen als Primarlehrerin sprach und als Beispiel dafür die Körperwaage nannte, welche sie aufgrund des Lernplans zum Unterricht mitnehmen musste.

«Zuerst redeten wir darüber, was auf diesem Gerät erfasst wird: das Gewicht eines Menschen», sagte lovely Morena. Um den Kindern zu zeigen, dass diese Zahl herzlich wenig über jemanden aussagt, habe sie eine Diskussion angefangen mit ihrer Klasse.

«Ich fragte sie zum etwa, ob die Waage auch messen kann, wie gut jemand Witze erzählt oder ob die Waage Auskunft gibt darüber, wie oft jemand daheim im Haushalt hilft», erzählte Morena, von der ich durch diese scheinbar einfachen Fragen eine wichtige Lebenslektion gelernt habe.

Weil sie mir klar machte, dass ein Mensch aufgrund seiner Persönlichkeit und nicht wegen seines Äusseren wertgeschätzt werden sollte. Von anderen genauso wie von sich selbst.

Denn während das Auge tatsächlich mitisst, wie es das Sprichwort sagt, entscheidet letztlich die Qualität einer Speise, ob sie uns wirklich schmeckt.

Das bringt mich zurück zur Titelfrage wären, die ich mit der folgenden Gegenfrage beantworten würde:

Ist es überhaupt wichtig, dass wir alle schön sind? Oder wäre es nicht besser, wir würden uns grundsätzlich weniger auf die äusseren und mehr auf die inneren Werte eines Menschen fokussieren?

Lass mich wissen, wie Du dazu stehst, Sweetheart – ich bin gespannt auf Deine Meinung.

 

Viele von uns gehen mit ihrem Äusseren zu hart ins Gericht und machen sich damit das Leben schwer. Aber müssen wir uns deswegen wirklich alle und immer schön fühlen? Eine sehr persönliche Antwort darauf gibt es auf sonrisa.

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