Was tun, wenn man so gar nicht Bescheid weiss über ein Thema, dem man aber unbedingt eine Bühne geben möchte?

Logisch: Man bittet Menschen mit entsprechenden Kompetenzen um Hilfe wie das der Fall ist bei den beiden bezaubernden Hairstylistinnen Tina & Hanna von Curl-ish, die mir für das folgende FAQ über Locken aller Art ihre besten Tipps verraten haben.

Von gewellt bis kraus: Locken-Profis verraten im exklusiven FAQ auf sonrisa ihre Insider-Tipps.
Bild: Caroline Krajcir 

Alle Haartypen im Überblick

«So wie glattes Haar nicht gleich glattes Haar ist, gibt es auch bei bewegtem Haar zum Teil sehr grosse Unterschiede.

In der Fachwelt kategorisiert man die Haare darum in vier Typen (Typ 1: glatt, Typ 2: wellig, Typ 3: lockig, Typ 4: kraus) und unterteilt sie je nach Struktur in weitere Untergruppen.

Fun Fact: Die meisten Menschen mit bewegtem Haar haben übrigens nicht nur einen, sondern mehrere dieser Haartypen und Unterkategorien auf dem Kopf.»

Allgemeine Tipps zur Locken-Pflege

«Je stärker die Locken, umso mehr Volumen hat das Haar, das aber eben auch meist unglaublich trocken und darum besonders anfällig für Schädigungen ist. Um Haarausfall und -Brüche zu vermeiden, ist eine sanfte und behutsame Pflege darum ein Must!

Dabei gilt:

  • Das Shampoo sollte frei von Silikon, Sulfaten und Parabenen sein.
  • In der Regel reicht es, die Haare alle zwei Wochen mit Shampoo zu waschen.
  • Der richtige Zeitpunkt zum Entwirren der Haare ist nach dem Waschen, wenn die Pflegspülung im feuchten Haar einwirkt.
  • Je nach Haarmenge lohnt es sich, beim Entwirren der Haare den Kopf in Sektionen abzuteilen. 
  • Zum Entwirren sollte man einen grobzackigen Kamm oder eine spezielle Detangling Brush verwenden. Bitte immer vorsichtig die Locken von unten nach oben kämmen.
  • Bei Problemen mit der Kopfhaut oder wenn diese besonders trocken ist, empfehlen wir eine Vorbehandlung der Haare vor dem Waschen mit einem passenden Produkt (zum Beispiel ein reichhaltiges Öl zur Pflege der trockenen Kopfhaut).
  • Spezielle Mikrofasertücher sind ideal, um das Haar nach dem Waschen anzutrocknen. Achtung: Immer nur mit Druckbewegung arbeiten und niemals rubbeln!
  • Wenn das Haar nur Feuchtigkeit braucht, aber noch sauber ist, reicht eine Behandlung mit einer Pflegespülung aus. In der Fachsprache ist diese Methode bekannt unter dem Begriff ‘Co-Wash’.
  • Über Nacht können die Haare wahlweise unter dem Bonnet zur Ananas hochgebunden oder eingedreht beziehungsweise geflochten werden.» 

So findet man die richtigen Produkte für seine Locken

«Noch bis vor allzu langer Zeit war das Angebot von Produkten für Menschen mit stark gelocktem und krausem Haar in der Schweiz sehr bescheiden. Viele unserer Kund*Innen und auch wir selbst mussten die Pflege-Produkte im Ausland bestellen, was ziemlich mühsam und oft auch sehr teuer war.

Wenn man bedenkt, dass weltweit über 70 Prozent der Menschen bewegtes Haar haben, scheint das völlig unverständlich. Mittlerweile haben aber viele der grossen Beauty-Brands das Potential dieses Marktsegments erkannt und das Sortiment um Produkte für Lockenköpfe erweitert. Ausserdem gibt es auch bei uns in der Schweiz je länger je mehr tolle Shops wie etwa lockenkopf.ch, die für jede Art von Locken die passenden Produkte im Sortiment haben.

Grundsätzlich spielen sowohl die Dicke als auch die Porosität des Haars eine wichtige Rolle bei der Wahl des Produkts, das übrigens – einfach, damit es nochmals gesagt ist – frei sein sollte von Silikon, Parabenen und Sulfaten. Bei Lockenköpfen funktioniert die Suche nach dem richtigen Produkt meist nach dem ‘Trial and Error’-Prinzip, womit erklärt wäre, warum viele Menschen mit Locken ein grosses Arsenal an Shampoos und anderen Haarpflege-Artikeln haben daheim…

Im Zweifelsfall lässt man sich von Profis beraten, die genau wissen, welche Produkte für den persönlichen Haartypen gut funktionieren. Dabei muss der Profi das Haar fühlen können – eine Beratung übers Telefon oder per E-mail funktioniert also nicht.»

Von gewellt bis kraus: Locken-Profis verraten im exklusiven FAQ auf sonrisa ihre Insider-Tipps.
Bild: Pexels

Die verschiedenen Locken-Styles kurz erklärt

Afro:

Herauspicken von Locken oder krausem Haar

Cornrows:

Haare am Kopf entlang flechten

Braids:

einzelne hängende Zöpfe

Weave:

Damit meint man eine Haarverlängerung. Dafür wird das Haar auf Cornrows drauf genäht.

Gut zu wissen: Cornrows, Braids und Weave werden auch ‘Protective Hairstyles’ genannt, weil sie das eigene Haar schützen sollten. Dies funktioniert aber nur, wenn die Cornrows oder die Braids nicht allzu eng geflochten werden. Anderenfalls kann es nämlich zum Haarverlust kommen. Bei Perücken sind die Haare darunter auch oft zu cornrows geflochten, darum gilt dieser Look ebenfalls als Protective Style.»

Locken wachsen lassen

  • Zwei Mal pro Jahr beim Profi die Spitzen schneiden lassen
  • Regelmässig eine auf den Haartypen abgestimmte Pflegemaske verwenden – im Idealfall mindestens alle zwei Wochen.
  • Zum Schlafen: Haare hochbinden zur Ananas und mit Bonnet schlafen.
  • Die Haare mit Protective Hairstyles schützen.
  • Auf den Haartypen abgestimmte Produkte verwenden, welche die richtige Balance zwischen Feuchtigkeit und Proteinen haben.

Do’s and dont’s bei kleinen Lockenköpfen

«Grundsätzlich gelten für die Haare von Kindern mit starken Locken die gleichen Regeln wie für Erwachsene.

Um sie von Anfang an die richtige Pflege von krausem Haar zu gewöhnen, empfehlen wir das spielerische Einbinden in diesen Prozess, zum Beispiel indem das Kind einer Puppe die Haare wäscht und stylt. Auch ein Spielzeug zur Ablenkung während des Waschens und Entwirrens – am besten in der Badewanne – hat sich schon oft bewährt.»

Die gesellschaftliche Relevanz

«‘Es sind doch nur Haare’ ist ein Spruch, der für uns BIPOC-Menschen an Zynismus kaum zu überbieten ist, denn unsere Haare und die Art wie wir sie tragen, haben massgeblich mit unserer Identität zu tun: Sie erzählen von den grausamen Unterdrückungsmethoden der US-amerikanischen Plantagenbesitzer:innen, die versklavten Menschen eine Glatze schoren, um ihnen letzte Reste kultureller Identität zu rauben. Von Glättungs-Produkten, mit denen scheinbar ‘unzähmbare’ Locken kontrolliert werden sollten bis hin zu Menschen, die ungefragt in unsere Haare fassen.

Wie sehr neben der Hautfarbe bei BIPOC-Menschen auch die Haare ein Politikum sind, zeigt unter anderem die Tatsache, dass in New York erst vor kurzem die Diskriminierung von Frauen mit Afrohaaren per Gesetz verboten wurde. Zuvor war es nämlich den Arbeitgeber*Innen legal, diese Frauen zum Glätten oder Schneiden der Haare aufzufordern. 

Dank eines zunehmend inklusiven und heterogenen Schönheitsideals, welches sich nicht zuletzt aufgrund von gesellschaftlichem Druck in den Sozialen Medien etabliert hat, ist es heute für uns BIPOC-Menschen um einiges einfacher, die natürliche Haarpracht zu tragen und zu feiern.

Unnötig zu erwähnen, dass wir noch eine lange Reise vor uns haben und es nach wie vor immer noch viel Aufklärungsarbeit braucht. Das ist für uns unglaublich anstrengend und kostet viel Kraft. Trotzdem machen wir weiter, denn: Wissen ist Macht!»

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