Was ich aktuell lese, höre und schaue und dafür gerne das Sofa blockiere
Wenn die Tage langsam, aber sicher kürzer werden, schaltet bei mir auch die ständige Fomo auf Stand-by. Statt wie ein Duracel-Häschen herumzuwirbeln gibt es wieder ein bisschen mehr Raum für kleine Pausen, die nichts mit Flughäfen oder Kofferpacken zu tun haben. Besonders hoch ist mein Entspannungsfaktor bei einem packenden Buch, einem Serien-Marathon auf dem Sofa oder guter Tanzmusik in den Gehörgängen. Natürlich darfst Du die Liste meiner neusten Unterhaltugstipps gerne ergänzen mit Deinen eigenen Empfehlungen.




Lesen
Taylor Jenkins Reid: Atmosphere
Die Faszination meiner Lieblingsmenschen für das All war mir lange ein Rätsel. Bis wir im vergangenen Jahr während unserer USA-Reise die Nasa in Houston besuchten und dabei im Rahmen einer speziellen Tour von den Besucher:innen-Rängen der Mission Control aus den Astronaut:innen in Echtzeit bei der Arbeit zusehen konnten: Ein Erlebnis, das mich nachhaltig beeindruckte. Vielleicht, weil ich plötzlich ein neues Verständnis dafür bekam, was es heisst, sich auf eine Reise ins All zu begeben. Atmosphere, der neue Roman von Taylor Jenkins Reid, nimmt diesen Gedanken auf – und landete darum noch am Erscheinungstag in meinem Einkaufskorb.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Astrophysikerin Joan Goodwin, die in den 1980er-Jahren als eine der ersten Frauen für das Space-Shuttle-Programm der NASA aufgenommen wird. Die Ausbildung – wen wundert’s – ist fordernd, der Konkurrenzdruck hoch. Zwischen Hitzeschutzkacheln und Simulationsflügen entwickelt die verkopfte Wissenschaftlerin nicht nur neue Fähigkeiten, sondern begegnet auch der Liebe ihres Lebens und muss in der Folge sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinn ihren Platz im Universum neu definieren.
Die Raumfahrt ist bei dieser Handlung eher Kulisse als Hauptakteur, liefert aber genau die richtige Portion Schub, um Joans persönliche Entwicklung nachvollziehbar zu erzählen. Besonders stark fand ich die Passagen über die Beziehung von Hauptfigur Joan zu ihrer Nichte Frances, in der auf zarte Weise ausgelotet wird, was Familie jenseits biologischer Linien bedeuten kann.
Durch das geschickte Verweben zweier Zeitebenen baut sich im Verlauf des Buches ein Spannungsbogen auf, der erst knapp vor Ende aufgelöst wird und hier natürlich unter Verschluss bleibt, zumal es ziemlich kontroverse Reaktionen gab darauf. Doch egal, was man davon halten mag, für mich ist Atmosphere eine wunderbar geschriebene Einladung zum Nachdenken, Innehalten und Abstand zu nehmen, um Klarheit zu gewinnen. Man muss ja dafür nicht gleich ins All reisen.
Hören
Oasis Don’t look back in Anger
Wenn selbst die Gallagher-Brüder sich wieder zusammenraufen und mit Oasis auf Tour gehen, scheint mir noch nicht alles verloren, im Gegenteil: Plötzlich macht sich bei mir ein Hauch von Hoffnung breit, als wäre «Don’t Look Back in Anger» mehr als nur ein Songtitel.
Vor allem aber ist die Wiedervereinigung der streitlustigen Musiker für mich ein guter Grund, um wieder einmal die alten Alben anzuhören und in Erinnerungen zu schwelgen an eine Zeit, als die Oasis-Songs in den Hitparaden rotierten wie die Drinks auf dem Tresen.
Mein persönlicher Soundtrack dazu entstand während eines Austauschjahrs in Madrid, wo ich nicht nur studierte, sondern vor allem angewandte Kulturpraxis in den Clubs betrieb mit meiner Freundin S. als treuer Komplizin.
Viel ist von diesen Nächten nur noch in Fragmenten präsent – wir nahmen die Sache mit der Assimilation an die heimischen (Trink)-Traditionen sehr ernst, ahem –, ausser der Tatsache, dass ich Wonderwall bis heute auswendig kann: Wort für Wort, viel zu laut, und immer noch mit einer Inbrunst, die bereits damals deutlich jenseits der Schmerzgrenze lag.
Schauen
Too much
Unpopular opinion: Den Hype um die Serie «Girls» von Lena Dunham habe ich nie verstanden. Zu viel Cry-Baby-Vibes, zu wenig «ich nehm die Sache jetzt mal selbst in die HAnd»-Energie und Selbstironie – irgendwann musste gab ich auf, weil mich das alles schlicht nicht abholte.
Entsprechend tief waren meine Erwartungen an die neue Serie aus der Feder von Lena Dunham, die ich eigentlich aussitzen wollte. Doch dann kam eine Phase, in der es gefühlt nichts anderes zum Streamen gab und ich quasi in Ermangelung von Alternativen die erste Folge anschaute, zumal sowohl der Titel als auch die Handlung spannend klangen: «Too much» erzählt von der jungen Amerikanerin Jessica, der nach einer gescheiterten Beziehung alles «too much», also zu viel wurde und die darum für einen Neuanfang von New York nach London zieht. Dort möchte sie eigentlich in aller Ruhe zu sich selbst finden, was natürlich genau gar nicht funktioniert. Statt der von ihr erträumten Jane Austen-Idylle, geht das Chaos in England munter weiter – Culture Clash, Herzschmerz und viel Grossstadt-Neurotik inklusive.
Das alles wird zum Teil für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr ausgereizt, hat aber im Ganzen einen Charme, dem ich mich nicht entziehen konnte. Insbesondere Megan Stalter in der Hauptrolle hat mich voll überzeugt mit ihrer Mischung aus Persönlichkeit, Verletzlichkeit, Stärke und feinem Humor. In Kombination mit grossartigen Dialogen, einem absolut famosen Cast – darunter Emily Ratajkowski, Rita Ora, Jessica Alba – macht das «Too much» zu einer wirklich unterhaltsamen Serie für alle Menschen, die wie ich manchmal ein bisschen «too much» sind für andere.
Die Bilder machte lovely Anais, der Du unbedingt via Instagram auf auf @anaisindra folgen solltest.
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