«Ich designe für meine Fantasie»: Q&A mit Olympia Le-Tan

Für eine Monographie sei es noch zu früh, fand Designerin Olympia Le-Tan, die ihr erstes Buch «Die Geschichte der OLT» darum lieber als eine Art Tagebuch bezeichnet, in dem sie anhand von Skizzen, Modulieren sowie sehr privaten Fotos ihre Arbeit präsentiert. Aufgeteilt in genau 16 Kapitel, wobei es sich nicht um einen Zufall handelt, im Gegenteil: «16 ist meine Glückszahl, denn ich bin an einem 16. geboren» sagt die Tochter des berühmten französischen Illustrators Pierre Le-Tan, die damit mein – okay, um ein paar Jährchen jüngerer – Geburtstag-Zwilling sein könnte. Sofern auch sie am 16. November zur Welt kam, was ich leider trotz intensiver Recherche nicht herausgefunden habe.

Dafür weiss ich dank dieses Interviews zur Lancierung der diesjährigen Lancôme Capsule Collection ‚Olympia’s Wonderland’ – drüben bei Hey Pretty findest Du zu dieser umwerfenden Lancierung ein anderes, ausführliches Q&A inklusive Verlosung, im Fall! –, dass die Stilikone aus Paris nicht nur wahnsinnig viel spannendes zu erzählen hat, sondern vor allem eine richtig tolle und in vieler Hinsicht unglaublich inspirierende Frau ist.

Merci, Olympia!

 

 

 

Olympia, Du bist berühmt geworden mit Deinen Mini-Taschen in Bücheroptik, die unter anderem Stars wie Tilda Swinton oder Michelle Williams tragen. Was hat Dich auf die Idee einer solchen Tasche gebracht?

Das Bücherregal meines Vaters, wo extrem viel amerikanische Literatur aus den 40er und 50er Jahren herumsteht. Ich war schon immer fasziniert davon und überlegte mir irgendwann, dass diese Umschläge ein schönes Motiv für Stickereien waren. So führte eines zum anderen…

 

Das tönt sehr einfach.

Nun ja, am Anfang habe ich das nur ja für mich gemacht, die ersten Taschen-Modelle waren sehr einfach. Nachdem ich mich dann zur Lancierung meines eigenen Brands entschloss, ging es in die Überarbeitung. Daraus entstanden die minaudières in der Form eines Buches.

 

Warum redest Du bei Deinen Taschen immer von minaudières und nicht von Clutches?

Weil ich das englische Wort nicht so schön finde wie den französischen Begriff «minaudière», der eine kleine Tasche in Form einer festen Box bezeichnet. Mir gefällt die Idee, dass man meine Taschen auch als schmuckes Design-Stück im Regal aufstellen kann.

 

Kannst Du überhaupt noch ein Buch lesen, ohne Dich dabei zu fragen, wie es als Tasche aussehen würde?

Ehrlich gesagt – nein! Ich stelle mir jedes Buch auch als Tasche vor.

 

Und was machst Du, wenn ein Buch-Umschlag nicht hübsch genug ist?

Früher habe ich da ein wenig, sagen wir mal: nachgeholfen durch gewisse Verbesserungen. Eigentlich mag ich es aber lieber, das Original zu übernehmen – am liebsten natürlich jenes der Erstausgabe, aber mittlerweile bin ich nicht mehr ganz so strikt.

 

Warst Du denn schon immer so kreativ?

Das kann man schon so sagen, ja. Als Kind war ich immer am Nähen, Malen oder Töpfern, das habe ich von meinen Grosseltern gelernt. Später, während eines Praktikums für ein grosses Mode-Unternehmen, machte ich mir aus Stoffresten diverse Kleinigkeiten zum Anziehen, bis dann eben die Sache mit den Taschen losging.

 

Was magst Du an Deinem Beruf?

Das Nähen und Sticken erdet mich, ich finde das unglaublich entspannend. Wenn ich dazu kleine Details in meine Artikel integrieren kann, die man – falls überhaupt – nur beim genauen Hinschauen erkennt, dann bin ich endgültig in meinem Element. Dazu kommt der Stolz und die Freude über eine abgeschlossene Arbeit.

 

Passend zu Deinen minaudières gibt es inzwischen auch Kleider von Olympia Le-Tan. Wo findest Du die Inspiration dazu?

Es klingt etwas kitschig, aber letztlich ist es das Leben in all seinen Facetten, das mir Ideen liefert für meine Kollektionen.

 

Entwickelst Du die Kleider für Dich selbst?

Sagen wir mal so: Ich designe für meine Fantasie.

 

Wie meinst Du das?

Ich habe viele Ideen für Kleidungsstücke, die mir nicht stehen würden und die ich entsprechend selbst nie tragen würde – aber trotzdem schön finde. Zum Glück habe ich mich selbst und meinen Körper über die Jahre besser gelernt einzuschätzen, so dass ich inzwischen auch immer wieder Teile entwerfe, die mir passen. Es wäre ja auch zu schade, wenn ich meine eigenen Kleider nicht tragen könnte.

 

Denkst Du, es macht einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau zuständig ist für eine Damenkollektion?

Davon bin ich überzeugt. Männer verstehen nicht immer, welche Kleider im Alltag auch wirklich funktionieren. Viele Designer realisieren nicht, dass ein Korsett vielleicht toll aussieht, aber wahnsinnig unbequem ist.

 

Deine Kollektionen werden auf dem Laufsteg oft von Frauen gezeigt, die keine Models sind. Willst Du damit ein feministisches Statement machen?

Ja, im Sinne dass ich «richtige Frauen» mit Persönlichkeit und Charakter für diesen Job lieber mag als typische Models. Das darf aber nicht als allgemeine Wertung verstanden werden. Mich spricht einfach jene Art von Frauen an, deren Körper zu ihrer Art passen.

 

Das macht Sinn. Wie würdest Du die typische OLT-Frau in drei Worten beschreiben?

Vorlaut. Kindlich. Und intelligent.

 

Eine Frau, oder besser: ein kleiner, sehr weiblicher Engel, ist auch der Star der neuen Herbstkollektion von Lancôme, die Du entworfen hast. Haben wir es hier mit einer himmlischen Version von Dir selbst zu tun?

Vielleicht ein bisschen? Ich habe ihr als kleines Extra noch eine Brille aufgesetzt und mich dabei extra nicht für ein biederes Modell entschieden, sondern eines im sexy Pin-up-Style… Dieser Engel ist alles andere als brav, fast schon ein wenig verrucht – und vor allem hat er grossen Spass am Schminken.

 

So wie Du?

Richtig. Meine eigene Liebesaffäre mit Make-up begann übrigens, als ich 14 Jahre alt war.

 

Dann ging für Dich mit der eigenen Make-up-Kollektion für Lancôme bestimmt ein Traum in Erfüllung. Was war Dein Höhepunkt bei dieser Arbeit?

Ich war entzückt, als ich im Archiv von Lancôme einen Lippenstift mit dem Namen ‚Olympia’ entdeckte. Dort fand ich auch einen entzückenden Kompaktpuder aus den 50er-Jahren mit einer kleinen Schleife, die mich zur Prägung auf dem Blush in der Palette von Olympia’s Wonderland inspirierte.

 

 

Welches ist Dein Favorit aus der Herbstkollektion Olympia’s Wonderland?

Der Lippenstift Absolue Rouge le Bisou Olympia 1980 Lippenstift natürlich. Ich liebe die kleinen Lippen darauf!

 

Eine Frage habe ich noch: Sprichst Du eigentlich gerne über Dich?

Nicht wirklich, nein.

 

Warum?

Weil ich mich eigentlich lieber durch meine Arbeit als durch Wörte ausdrücke. Das fällt mir viel leichter.

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