Dein Januar-Guide: Bücher, Podcasts und Dokus, die Du jetzt kennen musst
Der Winter ist noch lang, die Tage oft grau, der Alltag manchmal zäh: Grund genug, um kleine Auszeiten bewusst zu zelebrieren – etwa mit einem Roman, der mehr bietet als Unterhaltung, einem Podcast, der Perspektiven verschiebt, oder einer Dokumentation, die hinter bekannte Kulissen blickt.
Alle Details dazu findest Du in der neusten Ausgabe der Rubrik «Lesen, hören und schauen», die Du natürlich wie immer per Kommentar sehr gerne ergänzen kannst mit Deinen eigenen Tipps.




Die Bilder machte lovely Anais, der Du unbedingt via Instagram auf auf @anaisindra folgen solltest.
Lesen
Wedding People von Alison Espach
Phoebe Stone trägt ihr schönstes Kleid, als sie in einem mondänen Luxushotel eincheckt, wo sie nach einer bitteren Scheidung, dem Verlust ihres Katers und beruflichen Rückschlägen zuerst die Annehmlichkeiten des Hauses geniessen und später einen endgültigen Schlussstrich ziehen will. Durchkreuzt werden ihre Pläne von Lila, die am gleichen Ort im grossen Stil ihre Hochzeit mit Gary feiern will und sich diese rauschende Party nicht von der lebensmüden Phoebe vermiesen lassen möchte.
Schneller als man «hoch lebe die Braut» sagen kann, entwickelt sich zwischen sorgfältig geplanten Aktivitäten, Champagnerfontänen und Lichterketten eine Dynamik, die Phoebe völlig unerwartet mit voller Wucht zurück ins Leben katapultiert. Mehr sei an dieser Stelle zur Handlung nicht verraten, ausser vielleicht: Ja, das ist so schräg wie es tönt.
Bei Espach wird diese scheinbar seichte Komödie aber dank des Einfühlungsvermögens der Autorin zu einer klugen, respektvollen sowie gleichzeitig oft extrem lustigen Studie über grosse Themen wie Einsamkeit, Selbstzweifel und gesellschaftlichen Druck. Die Frage, was wir eigentlich suchen, wenn wir sagen, wir wollen glücklich sein, bekommt damit eine neue Tiefe, mit der ich persönlich so nicht gerechnet hätte.
In Kombination mit pointierten Dialogen, nahbaren Figuren, unerwarteten Plot-Twists und einer flüssigen Sprache macht «Wedding People» zu einem süffigen Roman, der ohne Pathos auskommt und eine schöne Erinnerung daran ist, wie selbst aus den absurdesten Situationen neue Chancen entstehen können.
Hören
The New Yorker Radiohour: Anna Wintour embraces a new era at Vogue
Sie gehört ohne Übertreibungen zu den bekanntesten Figuren unserer Zeit: Anna Wintour hat als Chefredaktorin der amerikanischen Vogue während fast 40 Jahren nicht nur das Magazin, sondern auch die Mode-Welt massgeblich geprägt, bevor sie im vergangenen Jahr von ihrem Amt zurückgetreten ist. Just an dem Tag, an dem ihre Nachfolgerin Chloe Malle offiziell angekündet wurde, war die Britin mit der legendären Bob-Frisur zu Gast im Podcast-Studio des New Yorker.
Im Gespräch mit The New Yorker-Chefredaktor David Remnick erklärte Wintour unter anderem, warum sie Chloe Malle für die perfekte Besetzung hält, mit welchen Routinen sie sich jeweils auf ihren Alltag eingestimmt hatte und was es ihrer Meinung nach braucht, um als Print-Medium im digitalen Zeitalter relevant zu bleiben.
All das, wie gesagt, liegt schon mehrere Monate zurück – irgendwie kam nicht früher dazu, Dir diesen grossartigen Podcast zu empfehlen –, sollte Dich aber nicht davon abhalten, in das Universum von Anna Wintour einzutauchen, die mich mit ihrer eloquenten, witzigen, aber auch sehr nahbaren, oft selbstironischen und unerwartet warmen Art noch mehr zum Fangirl machte als zuvor.
Schauen
Doku: The New Yorker at 100
Speaking of The New Yorker: Zwei Mal habe ich mir zu Beginn meiner Laufbahn als Journalistin eine Ausgabe des legendären Magazins geleistet, die beide irgendwann in der Altpapiersammlung gelandet sind. Nicht aus Unmut über den Inhalt, sondern weil ich mich in beiden Fällen massiv überschätzte: Zu komplex sind die Artikel, zu lang die Kurzgeschichten, zu wenig elaboriert ist mein Englisch, um diese Textwelt wirklich alles zu verstehen und zu würdigen.
Entsprechend gespannt war ich auf die Netflix-Dokumentation «The New Yorker at 100» mit exklusiven Einblicken in die Redaktion jenes Magazins, das je nach Quelle zwischen 1,2 und 1,3 Millionen Menschen abonniert haben sollen.
Neben Mini-Portraits über Cartoonistin Roz Chast (arbeitet gerne von zu Hause aus), die Porträt-Autorin Rachel Syme (setzt längeres Schweigen gekonnt ein, um ihr Gegenüber zum Reden zu motivieren) und Chefredakteur David Remnick (beginnt seinen Tag jeweils auf dem Hometrainer) war ich vor allem fasziniert von der Fact-Checking-Abteilung, wo ein ganzes Team sämtliche Details aller Texte auf ihre Echtheit überprüft. Wenn man bedenkt, dass ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Medien salonfähig geworden ist und es gleichzeitig immer schwieriger wird, Fake News von echten Nachrichten zu unterscheiden, wirkt dieses Konzept auf mich wie ein sehr überzeugender Gegenentwurf.
Ebenfalls spannend fand ich, wie der Film auf unterhaltsame Weise die Vergangenheit und Gegenwart des Magazins miteinander verwebt. Die Macher der Dokumentation haben dafür die Arbeit an der Jubiläumsausgabe festgehalten, ehemalige Mitarbeitende befragt und dabei an Momente erinnert, in denen der New Yorker durch pointierte Artikel zu polarisierenden Themen nicht nur im Journalismus, sondern auch gesellschaftlich sowie oft auch politisch neue Standards setzte
Nach dem Abspann blieb für mich das schöne Gefühl, dass gut erzählte Geschichten weiterhin eine Zukunft haben – und ich allenfalls einen neuen Versuch wagen sollte mit dem New Yorker…
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