Beauty hoch drei: Das exklusive Interview mit dem neuen Schminkbar-Team

Beauty hoch Drei: Im exklusiven Interview zieht das neue Schminkbar-Team ein erstes Fazit nach der Übernahme vor eineinhalb Jahren.

Angefangen hat es mit einer Vision.

Bea Petri – oft als «berühmteste Visagistin der Schweiz» bezeichnet – eröffnet im Jahre 2003 zusammen mit ihren Töchtern Lia und Kim die erste Schminkbar, die sie als Mischung aus Bar, Beauty-Salon und Basar konzipiert hat: Ein Ort also, an dem man je nach Bedürfnis neue Energie tanken kann oder die totale Entspannung findet*.

*mehr dazu, just in case, kannst Du beim Wellness-Test in der Schminkbar nachlesen.

Das Konzept ist einzigartig – und derart erfolgreich, dass die Firma Schminkbar mittlerweile über 100 Mitarbeitende an fünf Standorten beschäftigt. Gewachsen ist auch die Geschäftsleitung der Schminkbar AG, die nach Bea Petris Verkauf der Aktien per Ende 2016 an ihre Töchter und ihren Schwiegersohn überging.

Rund anderthalb Jahre später – Kinder, wie die Zeit vergeht! – ziehen die neuen Eigentümer der Schminkbar ein erstes Fazit.

Hier auf sonrisa.ch, wo Lia, Kim und Marc im exklusiven Dreier-Interview einen Tag nach dem 15. Geburtstag der Schminkbar – HAPPY BIRTHDAY!!! –  über ihre neuen Aufgaben, Persönlichkeiten aus dem TV und die berühmte Work-Life-Balance reden.

 

Beauty hoch Drei: Im exklusiven Interview zieht das neue Schminkbar-Team ein erstes Fazit nach der Übernahme vor eineinhalb Jahren.

 

Schminkbar-Begründerin Bea Petri ist eine national bekannte Persönlichkeit. Wer Ihr seid, wissen hingegen noch nicht so viele Menschen. Darum meine Bitte, dass Ihr Euch gegenseitig vorstellt, indem Ihr einen von Euch als Figur aus der Filmwelt beschreibt.

Marc: Ui, so toll, darf ich grad anfangen? Ich würde gerne meine Frau Kim vorstellen. Mir ist da sofort ein bestimmter Charakter in den Sinn gekommen, wobei ich das nur auf die inneren Werte und nicht auf das Äussere beziehe. Einfach, damit das vorab gesagt wurde.

Kim: Jetzt bin ich sehr gespannt, wen meinst Du?

Marc: Kim ist für mich wie Baloo, der Bär aus dem Dschungelbuch: Sie ist immer zufrieden, hat nie schlechte Laune, sieht überall das gute und strahlt eine unglaubliche Lebensfreude aus…

Kim (lachend):… und ich kratze mir den Rücken an einem Baum, wenn es mich dort juckt! Sehr lustig. Jetzt bin ich dran, oder? Ich möchte meine Schwester Lia vorstellen, die für mich gewisse Ähnlichkeiten hat mit dem TV-Koch Jamie Oliver. Nicht nur, weil sie auch eine ausgebildete Köchin ist, sondern vor allem, weil sie von Aussen betrachtet wie Jamie Oliver leicht chaotische Züge hat und dabei aber am Schluss immer alles perfekt auf die Reihe bekommt – in der Küche wie auch im richtigen Leben. Ich liebe es, von ihr bekocht zu werden und ich bewundere sie dafür, wie sie irgendwie für alles eine Lösung findet.

Lia (schmunzelt): Da wäre ich nie darauf gekommen, aber es hat was. Und jetzt ist mein Schwager Marc an der Reihe, oder? Er erinnert mich von seiner Art her an Jerry Seinfeld, denn Marc ist wahnsinnig lustig, sehr intelligent, erkann manchmal ziemlich stur sein, mag den Erfolg, ist sehr zielstrebig und hat eine ganz klare Vorstellung – unter anderem davon, wofür wir in der Schminkbar Geld ausgeben sollten oder eben nicht.

Marc (mit einem breiten Lächeln): Ich würde eher sagen, dass ich unsere Ausgaben sehr gründlich überdenke. Grundsätzlich hast Du aber absolut recht!

 

Erinnert Ihr Euch noch an Euren Traumberuf als Kind?

Kim: Klar, ich wollte Floristin werden.

Lia: Und ich Ballerina.

Marc: Mein Traum war es, Taxifahrer in New York zu sein.

 

Ganz offenbar habt Ihr Euch alle drei trotzdem für einen anderen Weg entschieden und führt nun seit dem vergangenen Jahr zu dritt die Schminkbar. Wie darf man sich die Übernahme des Lebenswerks von Bea Petri vorstellen?

Lia: Das war ein langer, zum Teil auch sehr holpriger Weg, der für uns Töchter im Grunde schon vor 15 Jahren mit der Gründung der Schminkbar begann. Sowohl Kim als auch ich haben in diesem Unternehmen eine klassische Tellerwäscher-Karriere gemacht und uns von ganz unten nach oben gearbeitet.

 

Was heisst das?

Lia: Nach meiner Ausbildung zur Köchin habe ich mit Servieren an der Bar angefangen, dann durfte ich an die Rezeption und von dort ging es ins Büro, wo ich Schritt für Schritt immer wichtigere Aufgaben übernahm.

Kim: Bei mir war es ähnlich, ich habe als Kosmetikerin ebenfalls das Geschäft von der Pieke auf gelernt, wie man so schön sagt, einfach in einem anderen Bereich. Mami legte grossen Wert darauf, dass wir gegenüber anderen Mitarbeitenden nicht bevorzugt behandelt wurden und so waren wir häufig am Morgen die Ersten und am Abend die Letzten im Geschäft.

Lia: Ja, wir haben wirklich hart gearbeitet, was unter anderem daran liegt, dass unsere Mutter sich selbst als Massstab nahm. Wer sie kennt, der weiss, was das heisst: Für Mami waren sieben Tage die Woche arbeiten und kaum Ferien die Regel und nicht die Ausnahme.

 

Das klingt intensiv. Andere hätten unter diesen Umständen irgendwann einen anderen Beruf gewählt. War Euch immer klar, dass Ihr eines Tages in die Firma einsteigt?

Lia: Unser Mami sagte schon lange, «Ihr könnt die Schminkbar gerne übernehmen, sofern Ihr das auch wirklich wollt». Irgendwann vor vier Jahren spürten wir, dass nun die Zeit reif war für eine Veränderung und die Übernahme wurde zum Thema für uns.

Marc: Ich stiess damals neu zum Team der Schminkbar –ursprünglich, um das Franchise-Konzept für Bea Petri voranzutreiben. Schon bald verschoben sich aber meine Aufgaben in die Bereiche Controling und Finanzen.

Kim: Lustigerweise wussten Lia und ich zwar immer, dass wir diesen Teil der Firma bei einer Übernahme in der Familie behalten wollen, aber wir haben vorher nie an Marc gedacht. Unsere Mutter hingegen hatte einmal mehr den richtigen Riecher, als sie Marc anfragte. Es war nämlich ihre Idee und ihr Wunsch, ihn an Bord zu holen.

 

Vor dem eigentlichen Besitzerwechsel gab es also eine Phase der Vorbereitung…

… Kim: Richtig und das war sehr wichtig für uns alle, da es sich um eine sehr wichtige Entscheidung handelte. Auch Mami brauchte diese Zeit, um sich zu lösen, aber nachdem sie sich einmal entschieden hatte, wollte sie den Übergang möglichst rasch vollziehen.

Marc: Im Sommer 2016 haben wir Bea ganz genau aufgezeigt, wie wir uns die Übernahme und Zukunft der Schminkbar vorstellen, es war ein klassischer Pitch, auf den wir uns gut vorbereitet haben, begleitet von viel Emotionen.

 

Wer von Euch hat welche Funktion im Team?

Marc: Zum Glück war diese Aufteilung immer ganz klar für alle. Als Geschäftsführer bin ich zuständig für die Finanzen, das Controling und die langfristige Firmen-Strategie. Das passt sehr gut, da ich ein typischer Kopf-Mensch bin, der sich an Fakten orientiert und eher konservativ denkt im geschäftlichen Bereich.

Kim: Mein offizieller Titel lautet Creative Director, aber intern bin ich einfach die Beauty-Expertin, die sich um die Ausbildung der Mitarbeitenden, die Auswahl der Produkte, neue Behandlungen und alle anderen kreativen Bereiche kümmert.

Lia: Ich habe die operative Leitung für die Schminkbar und schaue als COO überall zum Rechten, damit das Tagesgeschäft reibungslos abläuft.

Marc: Lia ist sozusagen der Kapitän auf unserem Schiff, der immer den richtigen Kurs einschlägt, egal woher der Wind grad weht.

 

Ist Bea Petri noch in irgendeiner Weise involviert bei der Schminkbar?

Marc: Ja, wir haben gemeinsam eine schöne Art gefunden, ihre Stärken weiterhin im Unternehmen zu halten. Bea ist auf ihren eigenen Wunsch hin im Mandat angestellt und zuständig für die Einrichtung der Schminkbar-Filialen.

Lia: Sie hat das einzigartige Talent, jeder Schminkbar diese ganz persönliche Note zu verleihen, die letztlich die DNA der Firma ausmacht.

 

Beauty hoch Drei: Im exklusiven Interview zieht das neue Schminkbar-Team ein erstes Fazit nach der Übernahme vor eineinhalb Jahren.

Beauty hoch Drei: Im exklusiven Interview zieht das neue Schminkbar-Team ein erstes Fazit nach der Übernahme vor eineinhalb Jahren.

 

Ihr wirkt sehr harmonisch und seid ein offensichtlich gut eingespieltes Team. Trotzdem wird es auch bei Euch bisweilen Meinungsverschiedenheiten geben, oder?

Lia: Wir haben das im Vorfeld sehr intensiv besprochen, weil Kim und Marc als Ehepaar eine Einheit bilden. Für mich war das aber nie ein Problem, da wir ja alle ganz unterschiedliche Aufgaben haben.

Kim: Kommt dazu, dass keiner von uns nachtragend ist. Ausserdem sind wie Lia richtig sagt die Schnittmengen unserer Verantwortlichkeiten relativ klein und das gegenseitige Vertrauen riesig.

Marc: Das sehe ich genau gleich. Ich finde, wir haben eine gesunde Feedback-Kultur, die uns allen erlaubt, ganz ehrlich den eigenen Standpunkt zu vertreten. Was uns beschäftigt, kommt auf den Tisch und dann sucht man nach einer Lösung, die für alle stimmt.

 

Für die zweite Generation einer Firma besteht die Herausforderung ja oft darin, eine Balance zwischen Neuerungen und dem Beibehalten der DNA zu finden. Ist das bei Euch auch der Fall?

Kim: Ja, absolut, es ist eine stetige Gratwanderung, das stimmt. Gerade in der Beauty-Branche passiert so viel, da muss man sich immer wieder neu hinterfragen und gleichzeitig auf die eigenen Werte besinnen.

Lia: Uns fällt das vielleicht etwas leichter als anderen, da für uns die eigene Glaubwürdigkeit an erster Stelle steht.

 

Das musst Du etwas genauer erklären.

Lia: Ein gutes Beispiel dafür sind die Gel-Nagellack-Systeme, die gerade in den Wintermonaten ideal wären für uns, weil der Lack blitzschnell trocknet. Finanziell würde sich das lohnen, zumal die Kundschaft den Lack auch regelmässig im Studio entfernen lassen müsste. Trotzdem bieten wir diese Behandlung nicht an, weil wir nicht dahinterstehen können, da sie unserer Meinung nach die Nägel kaputt macht. Diese Einstellung hebt uns letztlich ab von anderen Anbietern, die ebenfalls ein tolles Angebot haben.

 

Ihr unterscheidet Euch auch durch die Struktur von anderen Unternehmen, weil bei Euch so gut wie alles in der Familie bleibt. Wie trennt Ihr das Geschäft vom Privatleben?

Marc: Gar nicht, was ist das für eine Frage? (lacht) Nein, ernsthaft, der Start war ziemlich anstrengend, da die sich Geschäftsleitung bereits kurz nach der Übernahme aufgrund von Schwangerschaften von 420 Stellenprozenten auf 220 Prozent verkleinert hat – bei gleichbleibenden Aufgaben… Darunter hat das Familienleben öfters mal gelitten.

Lia: Wir haben in dieser Zeit rasch festgestellt, dass wir Verstärkung brauchen und lernen müssen abzugeben.

Kim: Um ganz ehrlich zu sein, finde ich das alles schon ziemlich hart. Ich habe jeden Tag ein schlechtes Gewissen, wenn ich meine Kinder beim Spielen vertrösten muss wegen eines Anrufs aus der Schminkbar. Aber im Moment gibt es keine Alternative, darum muss man das gar nicht gross hinterfragen. Meine Schwester und ich sind unter ähnlichen Umständen aufgewachsen und wir hatten eine sehr glückliche Kindheit. Trotzdem hoffe ich, dass sich in den nächsten fünf Jahren ein etwas weniger hektischer Rhythmus einpendelt. Wir brauchen und wollen neue Menschen am Tisch.

 

Kommt Ihr trotz der vielen Arbeit dazu, Euch manchmal eine Behandlung in der Schminkbar zu gönnen?

Marc: Ich war noch nie als Kunde in der Schminkbar (lächelt versonnen). Vielleicht liegt es daran, dass Kim mich mal für eine TV-Aufnahme zum Brauen-Model machte, an dem sie zeigte, wie Haarentfernung mit Wachs funktioniert. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen, oder (lacht schallend)?

Kim: Ja, Marc ist nicht sehr zugänglich für Beauty-Behandlungen – ganz im Gegensatz zu mir. Wenn ich könnte, würde ich mir jeden Tag die Nägel machen lassen in der Schminkbar, ich kann da auch sehr gut abgeben und mich entspannen. Leider reicht die Zeit so gut wie nie dazu, was ich ehrlich bedaure.

Lia: Mir geht es genau gleich wie Kim: In einer perfekten Welt wäre ich jeden Tag in der Schminkbar zu Gast, aber im richtigen Leben schaffe ich es viel zu selten.

 

Was ist das schönste Kompliment, das man Euch machen kann?

Marc: Die Idee bei der Gründung der Schminkbar war es, einen Ort zu schaffen, der für alle zugänglich und erschwinglich ist, aber gleichzeitig Behandlungen auf höchstem Niveau anbietet…

Kim: … genau, und darum freut es uns immer unglaublich, wenn jemand sagt: «Wow, Ihr seid ja ganz normal».

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