Serum richtig verwenden: Die grössten Mythen über Wirkstoffe, Preise und Wirkung
Du: «Katrin, ich benutze jeden Tag eine Gesichtscreme. Brauche ich da wirklich auch noch ein Serum, wie alle auf TikTok sagen?»
Ich: Versuche, die Fassung zu wahren. (Komma nach der Infinitivgruppe zur besseren Lesbarkeit.)
Seufze laut vor mich hin.
Atme tief durch.
Und frage mich einmal mehr, warum sich vor allem auf TikTok so viele selbst ernannte Fachleute zu Wort melden, ohne in ihren Clips die nötigen Informationen für eine realistische Einschätzung zu liefern.
Denn wie so oft in der Beauty lautet die Antwort: Es kommt darauf an, Darling, auf Deine Haut, Deinen Lebensstil, Deinen Aufenthaltsort, Deinen Stresspegel, das Wetter, Dein Alter und vor allem auf Deine Bedürfnisse.
All das lässt sich natürlich nicht in ein knackiges Video von 15 Sekunden packen, was vermutlich der Grund ist, warum da draussen so viele wilde Thesen kursieren.
Damit Du nicht den Überblick verlierst, findest Du hier eine Liste der bekanntesten Mythen zum Thema «Serum», die ich für Dich analysiert und mit praktischen Tipps sowie Produktempfehlungen ergänzt habe.
*Titelbild via Pexels von Anna Keibalo

Mythos 1: «Serum oder Creme? Man muss sich entscheiden»
Das ist schlicht falsch.
Achtung, Darling, wir haben es hier mit einem typischen Fall von «Äpfel mit Birnen vergleichen» zu tun, der vom eigentlichen Sachverhalt ablenkt. Schliesslich fragen wir uns am Morgen vor dem Kleiderschrank auch nie, ob wir Hosen oder eine Jacke anziehen sollen, da beide einen anderen Zweck erfüllen.
Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die Hautpflege, wo Seren und Gesichtscrèmes in der Regel komplett unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Ein Serum enthält nämlich häufig eine höhere Konzentration ausgewählter Wirkstoffe und sollte gemäss Lehrmeinung immer dann eingesetzt werden, wenn es um ein bestimmtes Hautbedürfnis geht. Es ist, wenn man so will, das Sondereinsatzkommando unter den Pflegeprodukten, welches sich gezielt um einzelne Problemzonen kümmert wie Falten, Volumenverlust, Unreinheiten, Pigmentflecken, vergrösserte Poren oder was uns sonst grad auf die Nerven geht beim Blick in den Spiegel.
Die Aufgabe einer Feuchtigkeitspflege hingegen besteht darin, die Haut mit Wasser zu versorgen und dort zu speichern, damit sie geschmeidig, glatt und gut befeuchtet bleibt.
Oder, wie es die Dermatolog der American Academy of Dermatology auf den Punkt bringen: «Moisturizer … works by putting moisture into the skin, as well as preventing water from leaving the skin.»
Du siehst, Sweet Pea, die eigentliche Frage lautet nicht: «Brauche ich ein Serum oder eine Creme?» Sondern: «Was soll meine Hautpflege eigentlich erreichen?» Erst wenn diese Antwort klar ist, entscheidet sich, ob ein Serum die Routine sinnvoll ergänzt oder eine gute Gesichtscreme völlig ausreicht.
Mein Tipp
Bevor ein neues Serum ins Badezimmer einzieht, solltest Du Dir gut überlegen, was Deine Haut wirklich braucht. Nur wenn Deine aktuelle Pflege ein konkretes Hautproblem nicht ausreichend löst, lohnt sich die Investition in ein Serum.
Mythos 2: «Je teurer das Serum, desto besser die Qualität»
Überraschenderweise nein.
Unser Gehirn (oder bin das nur ich, ahem?) liebt einfache Regeln, wie etwa «Was viel kostet, kann auch viel».
Insbesondere bei Seren neige auch ich bis heute zu dieser Annahme, zumal diese oft mit stolzen Versprechen angepriesen werden und es meistens eine beeindruckende Geschichte dazu gibt. In Kombination mit exklusiven Wirkstoffen, innovativen Technologien sowie jahrelanger Forschung entsteht schnell der Eindruck eines Produktes, das in einer anderen, besseren Liga spielt.
Unsere Haut allerdings – und das habe ich auch erst durch diese Recherchen gelernt – interessiert sich herzlich wenig für das Preisschild, das entsprechend keinen zuverlässigen Hinweis auf die Wirksamkeit eines Serums liefert.
«Wenn es um Haar- und Hautpflege geht, bedeutet meiner Meinung nach ein höherer Preis nicht automatisch, dass das Produkt auch besser ist. Der Preis hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören beispielsweise die Konzentration der Wirkstoffe, die Verpackung, das Marketing und die Rezeptur», bestätigt Dr. Shilpi Khetarpal, Dermatologin an der Cleveland Clinic.
Klarheit liefert darum wie so oft der Blick auf das Kleingedruckte auf dem Etikett eines Serums: Die für Dich beste Formel ist entsprechend nicht zwangsläufig die teuerste, sondern diejenige, welche zu den Bedürfnissen Deiner Haut passt.
Mein Tipp:
Die spannendsten Informationen findest Du in der Regel nicht vorne auf dem Flakon, sondern hinten in der Inhaltsstoffliste. Solltest Du dazu Fragen haben, wende Dich ungeniert an den Hersteller oder erkundige Dich bei Fachleuten.
Mythos 3: «Alle Seren lassen sich problemlos kombinieren»
Nicht ganz.
Es beginnt meistens harmlos: Hier ein Serum gegen Pigmentflecken, weil der Teint etwas gleichmässiger aussehen könnte. Dort ein Serum mit Hyaluronsäure, da Feuchtigkeit schliesslich nie schadet. Irgendwann kommt dann noch ein Retinol-Serum dazu, um die ersten Anzeichen der Hautalterung auszubremsen.
Das alles geht ins Geld und führt allenfalls zu Platzmangel im Bad, kann aber im Übrigen durchaus funktionieren. Entscheidend ist dabei allerdings, welche Wirkstoffe in den einzelnen Seren stecken und wie sie zusammenspielen. Ein Feuchtigkeitsserum mit Hyaluronsäure lässt sich nach Aussagen von Dermatolog:innen meist unkompliziert mit anderen Produkten kombinieren. Bei aktiven Inhaltsstoffen wie Retinoiden oder exfolierenden Säuren ist gemäss Fachleuten hingegen Vorsicht geboten, da diese die Haut unnötig reizen können.
Mein Tipp:
Führe neue Seren einzeln ein und gib ihnen Zeit. Eine Hautpflege-Routine ist kein Speed-Dating mit Wirkstoffen.
Mythos 4: «Je höher die Prozentzahl, desto besser das Serum»
Manchmal, aber längst nicht immer.
Bei Seren, so kommt es mir vor, werden Prozentzahlen gerne mal eingesetzt wie Noten in einem Zeugnis: 20 Prozent Vitamin C klingt beeindruckender als 10 Prozent, 30 Prozent Säure spektakulärer als 5 Prozent, alles im Sinne von «je grösser die Zahl, desto grösser die Hoffnung auf sichtbare Ergebnisse».
Tatsächlich sollten wir solche Zahlen aber in erster Linie als Information und nicht als Qualitätssiegel betrachten, betonen Beauty-Profis. Ob die entsprechende Menge sinnvoll ist oder nicht, hängt nämlich davon ab, welcher Wirkstoff verwendet wird, welches Ziel das Produkt verfolgt und wie gut die Haut ihn verträgt, erklärt Dermatologin Dr. Angeline Yong: «It’s a common misconception that higher concentrations always lead to better or faster results. In reality, skincare ingredients work best within a certain optimal range. Beyond that, more can often mean more irritation, not more benefit.»
Nehmen wir zum Beispiel Salicylsäure, die sich als effizienter Wirkstoff zur Behandlung von unreiner Haut bewährt hat und die in frei verkäuflichen Produkten meist in Konzentrationen von 0,5 bis 2 Prozent eingesetzt wird, um überschüssigen Talg zu lösen und abgestorbene Hautzellen zu entfernen. Höhere Konzentrationen von Salicylsäure wiederum gehören eher in den Bereich professioneller Anwendungen und sind darum nicht automatisch die bessere Wahl für die tägliche Pflege (mehr Infos gibt es hier).
Mein Tipp:
Vergleiche Seren nicht nach der Prozentzahl, sondern prüfe zunächst, ob der Hersteller erklärt, warum genau diese Konzentration eingesetzt wird und wie das Produkt angewendet werden soll. Auch eine grosse Zahl ist ohne Kontext letztlich nur: eine Zahl.
Mythos 5: «Ein wirklich gutes Serum wirkt sofort»
Je nachdem.
Geduld gehört bekanntlich nicht zu den Kernkompetenzen der Beautywelt: Kaum steht ein neues Serum im Bad, wird das Spiegelbild inspiziert und spätestens nach ein paar Tagen beginnt die erste Bestandsaufnahme der Haut. Sind in diesem Moment keine deutlichen Verbesserungen der Haut sichtbar, gerät das kleine Fläschchen schneller unter Generalverdacht, als es braucht, um den Verschluss zu öffnen.
Wie schnell ein Serum wirkt, hängt allerdings in erster Linie davon ab, welchen Prozess in der Haut es beeinflussen soll. Feuchtigkeitsspendende Seren mit Wirkstoffen wie Glycerin oder Hyaluronsäure können beispielsweise relativ rasch für ein pralleres und glatter wirkendes Hautbild sorgen, weil sie Wasser in der obersten Hautschicht binden.
Bei anderen Bedürfnissen wiederum braucht es einen längeren Atem: Pigmentflecken lösen sich nun mal nicht über Nacht auf, die Erneuerung der Haut erfolgt in einem relativ gemächlichen Rhythmus, ebenso wie die Bildung von Kollagen. Retinoide etwa – in Fachkreisen bekannt als Goldstandard zur Minderung von Falten – benötigen darum mehrere Wochen bis hin zu Monaten regelmässiger Anwendung, bevor sichtbare Veränderungen bei der Hautstruktur erkennbar werden, wie es in einem Artikel von Harvard Health heisst..
Wichtig:
Gib einem neuen Serum mindestens einen Monat Zeit, bevor du ein Urteil fällst. Der tägliche Kontrollblick in den Spiegel gehört zwar zur Beauty-Routine wie der Kaffee am Morgen, sagt nach drei Tagen aber ungefähr so viel aus wie eine Wetterprognose für den ganzen Sommer.
Fünf neue Seren, die einen Platz im Badezimmer verdienen
Dr Hauschka Hydrating Serum Plus

Estée Lauder Revitalizing Supreme+ Sculpting Serum

Miamo Superdose Vit C + [C,L] Radiance Activator Freeze Dry Serum

Weleda Exo Boost Double Serum

Shiseido Vital Perfection Intensive SculptDefine Serum


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