Heute würde er vermutlich von Haar-Sünden reden. Damals aber, in den 80er-Jahren, galten Dauerwelle und Blocksträhnchen als besonders angesagt, was Felix Fischer bereits als Coiffeur-Lehrling den Ruf eines Trendsetters einbrachte.

Mit dem Umzug nach New York vor über 20 Jahren etablierte sich der gebürtige Aargauer zu einer festen Grösse in der Branche, der regelmässig Hand anlegt bei Jennifer Lopez oder Nathalie Portman. Und dabei so viel erlebt hat, dass ich liebsten ein Buch über diesen liebevollen Menschen schreiben würde, mit dem mich seit unserem ersten Treffen im Garten einer gemeinsamen Freundin ein kaum erklärbares Vertrauen verbindet.

Weil das aber nicht nur viel Zeit und Talent, sondern auch eine gewisse Sachlichkeit von meiner Seite her bräuchte, habe ich die Realisierung dieses Projekts auf unbestimmt verschoben.

Stattdessen übernimmt hier Felix das Wort, dem ich an dieser Stelle von ganzem Herzen danke.

Schön, dass es Dich gibt, mein Lieber!

 

Star-Stylist Felix Fischer spricht im Interview mit sonrisa über prominente Kundinnen, Ehrlichkeit – und Schwarzwäldertorten.

 

«Bereits als Kind verbrachte ich meine gesamte Freizeit entweder beim Ballett-Training oder ich half in einem nahen Coiffeurgeschäft aus. Beides war mehr als ein Hobby für mich, ich brannte dafür.

Dass ich schliesslich Hair-Stylist wurde, liegt an meiner Knieverletzung, die mich dazu zwang, mit dem Ballett aufzuhören.

Für mich war das ein herber Schlag, aber rückwirkend weiss ich auch, dass mir damit eine schwere Entscheidung abgenommen wurde. Zu dieser Einsicht gelang ich allerdings erst später, denn als Jugendlicher war ich der festen Überzeugung, ganz genau Bescheid zu wissen über das Leben.

Könnte ich meinem Teenager-Ich aus heutiger Sicht einen Ratschlag geben, würde ich darum sagen: ‘Zeig ein bisschen mehr Demut, Felix – es gibt noch viel zu lernen.’

Wobei, wenn ich es mir genau überlege, gilt das wohl für alle jungen Menschen, oder? In meinem Fall hatte diese jugendliche Unbeschwertheit ausserdem auch ihr gutes, da es mir zum nötigen Selbstbewusstsein für eine Karriere in New York verhalf.

Trotzdem war der Umgang mit Berühmtheiten am Anfang ziemlich gewöhnungsbedürftig für mich – schliesslich komme ich aus Möriken bei Aarau und kannte all diese Menschen nur aus Hochglanzmagazinen. Ich weiss zum Beispiel noch ganz genau, wie ich Elizabeth Hurley – sie war meine erste prominente Kundin – die Haare machte, während ihr damaliger Freund Hugh Grant daneben sass und die ganze Zeit Witze machte. Da war ich dann schon sehr nervös…

Zum Glück legte sich das schon bald, denn in den USA ist ein selbstsicheres Auftreten wichtig, sonst schafft man es nie nach oben. Gerade in meinem Beruf sollte man sich nicht blenden lassen, da ist oft mehr Schein als sein, wie es so schön heisst.

Viele Stars sind nämlich im Grunde ihres Herzens sehr unsicher und verletzlich, weil sie unter grossem Druck stehen. Als Coiffeur bekomme ich das oft sehr unmittelbar mit und entsprechend braucht es bisweilen sehr viel Feingefühl.

Manche Promis muss man einfach in Ruhe lassen, während andere sehr gerne reden.

Was Schauspieler und andere Berühmtheiten immer wieder erstaunt, ist meine schweizerische Ehrlichkeit, die sie sich schlicht nicht gewohnt sind. Denn im Gegensatz zu ihrer Entourage sage ich nie ‘oh my good, you look amazing’, wenn ich es wirklich nicht so meine.

Ich verbiege mich nicht und das ist vor allem in dieser Branche ziemlich selten.

Offenbar scheint das aber niemanden zu stören, sonst würde ich nicht immer wieder von Stars gebucht. Sei das für ein Styling vor einem Red Carpet-Event, für Foto-Strecken in grossen Magazinen oder auch mal ganz privat – alles ist schon vorgekommen und alles hat für mich seinen eigenen Reiz.

Eine Frau, die ich wahnsinnig gerne mal frisieren würde, ist die Schauspielerin Maggi Smith. Nicht unbedingt wegen ihren Haaren, sondern viel mehr wegen ihrer Persönlichkeit.

Haare sind wichtig, für mich als Coiffeur sowieso, aber was wirklich zählt für ist der Mensch darunter. Aus diesem Grund schaue ich nur selten jemandem als erstes auf dem Kopf – es sei denn, die Frisur ist wahnsinnig gut oder krass schlecht.

Mittelmass ist einfach nicht mein Ding, bei mir gilt immer ‚entweder richtig oder gar nicht, das war schon immer so.

Oft werde ich während meiner Arbeit nach Tipps gefragt, wobei sich die Stars da nicht gross von meinen anderen Kundinnen unterscheiden.

Im Grunde wollen nämlich alle wissen, was gegen einen Bad Hair Day hilft und dann sage ich immer das gleiche: ‘Geh unter die Dusche und wasch Dir die Haare.’

Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie viel wohler einem danach ist und genau darum geht es ja in solchen Fällen. Denn wer sich gut fühlt, sieht auch so aus.

Ergänzend dazu muss ich vielleicht noch sagen, dass diese Empfehlung nur funktioniert bei perfekt geschnittenen Haaren. Ein solcher Haarschnitt kostet vielleicht etwas Geld, aber dafür gibt es Sparpotential bei den Stylingprodukten, da gut geschnittene Haare automatisch richtig fallen und man sie nicht extra in Form bringen muss.

Leider legen immer weniger Menschen Wert darauf, wobei mir die Gründe dafür nicht wirklich klar sind. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann: Um den optimalen Haarschnitt für jemanden zu finden, muss ich eine Art Bestandsaufnahme machen von dieser Person.

Erst wenn ich weiss, wie jemand lebt und welche Ansprüche er hat an eine Frisur, kann ich Vorschläge in Bezug auf Schnitt und Farbe machen.

Von so genannten Trends halte ich entsprechend herzlich wenig, denn nur weil gerade eine bestimmte Frisur in den Medien gehypt wird, heisst das nicht lange nicht, dass sie allen steht. Da muss man einfach realistisch bleiben… Bisher fand sich für jeden Menschen eine gute Lösung, wie die vielen berührenden Komplimente zeigen, die ich im Verlauf meiner Karriere bekommen habe. In solchen Momenten liebe ich meinen Beruf noch mehr als sonst.

Um einen Ausgleich zu meinen oft hektischen und auch langen Tagen zu finden, spaziere ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit durch mein Wohnquartier in New York wo sich alle kennen. Die Stimmung erinnert mich sehr an meine Herkunft, ich komme mir vor wie in einem Dort – einfach dass alles ein wenig grösser ist. Die Schweiz ist nach wie vor meine Heimat und ich kann mir sehr gut vorstellen, eines Tages zurück zu kehren – unter anderem, weil ich dort viele gute Freunde habe, die ich regelmässig sehe.

Heimweh kommt darum so gut wie nie vor bei mir – ausser vielleicht nach einer richtig guten Schwarzwäldertorte, wie sie nur in der Schweiz gemacht wird.

Aber eigentlich überlege ich mir gar nie, was mir fehlen könnte, weil es nichts bringt, das Schicksal zu hinterfragen.

Gelernt habe ich das von meinem Gotti, die mir immer wieder sagte: ‘Felix, geniess Dein Leben und mach das Beste daraus.’ Genau das ist mein Ziel, auch wenn es mir nicht immer gelingt. Früher wollte ich unbedingt glücklich sein – bis mir irgendwann klar wurde, dass Glück im Gegensatz zu Zufriedenheit sehr vergänglich ist.

Seit ich das begriffen habe, kann ich viel besser im Moment leben

 

Star-Stylist Felix Fischer spricht im Interview mit sonrisa über prominente Kundinnen, Ehrlichkeit – und Schwarzwäldertorten.

 

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